Blogschnipsel Wir Sind Krank

#BLOGSCHNIPSEL Wir sind krank. Alle. Mann, Kind und ich auch. Sogar Oma und Opa. Schnupfen, Husten, Halsweh. Fieber keines, zumindest bestand noch nicht der Bedarf nachzumessen. Während mein Mann und Ich nur Tee Trinken und die Füße hoch legen wollen, ist Nana fit. Trotz Rotznase und Husten. Ich war heute morgen in der Uni, habe dort meine vier Stunden abgesessen, während Papa mit Nana auf dem Spielplatz war. Eigentlich dachte ich, den Nachmittag würden wir ruhig verbringen; Nana vielleicht sogar ein Schläfchen machen. Fehlanzeige:Zuhause haben wir mit Fingerfarben gemalt, getobt und Lego gebaut. Straßen mit Klebeband geklebt und ‚Züge‘ darauf fahren lassen, das Klebeband dann in der ganzen Wohnung verteilt und wieder getobt. Ich habe Kopfschmerzen. Einerseits bin ich froh, dass meine Tochter kranksein so gut wegsteckt – wir haben tatsächlich erst einmal in ihrem Leben ein Fiebermittel gebraucht – andererseits wünschte ich mir, sie würde gerade dann, wenn wir ALLE krank sind, das Kuscheln vorm Fernseher dem Springen, Rennen und Toben vorziehen. Soviel dazu, dass sich selbst regulierende Kinder in dieser Sache nur vorm Tv hängen würden. Meins nicht. Keine Chance. Immerhin ist Nana vor Acht Uhr eingeschlafen, und ich kann heute auch früher ins Bett gehen, in der Hoffnung, dass es morgen besser ist. Xx Fiona

Blogschnipsel Veränderungen

#BLOGSCHNIPSEL Mamasein hat mich verändert. Unerzogen hat mich verändert. Ich überlege mir weniger, was andere von mir erwarten, was sie für richtig oder falsch halten, sondern lerne immer mehr auf mich, meinen Bauch, und ganz besonders auf mein Kind zu hören. Wenn Nana sich auf dem Fußgängerweg hinsetzte, weil sie eine Pause braucht, dann setze ich mich dazu und wir holen die Brotdose heraus, egal ob Passanten die Stirn runzeln, weil man das doch nicht macht. Wenn Nana ihre Jacke nicht anzieht und die Mütze nicht aufsetzt, ist das okay -SIE sagt mir, wenn ihr kalt ist, NICHT der Nachbar, der mich belehrt, dass meine Tochter krank werden könnte. Wenn Nana die Schuhe auf dem Spielplatz ausziehen will, dann kann sie das tun, auch bei Regenwetter, wenn sie unbedingt will. Auch wenn die Mama des anderen Kindes es ihrem verbietet. Und ich kümmere mich auch nicht mehr darum, was die Kassiererin denkt, wenn ich ihre wohl scherzhafte Anmerkung, dass es die Schokolade aber erst nach dem richtigen Essen gebe, beiläufig verneine. Für unser Familienleben zählt nicht, was andere für Richtig halten. Aber es ist nicht immer einfach sich vom anerzogenen ‚man muss‘ und ‚man darf nicht‘ zu lösen. Manches fällt mir schwieriger loszulassen, gerade dann, wenn ich WEIß, dass gerade jemand genau schaut, wie ich reagiere. Für Nana soll es niemals wichtiger sein, anderen irgendwie gut gefallen zu wollen, als auf ihr eigenes Herz zu hören. Schlimm genug, dass ICH mir das erst mühsam erarbeiten muss, dass ich erst (wieder) lernen muss, nicht zu viel Wert auf die Meinung der Nachbarn zu legen. Für meine Tochter soll es völlig selbstverständlich sein: Du bist gut, so wie du bist, mein Kind. Deine Empfindungen, deine Bedürfnisse sind niemals falsch. ICH verändere mich durch dich, weil es mir wichtig ist, dass DU dich niemals verändern musst, weil dich gar nicht erst jemand falsch geformt hat. Xx Fiona

Blogschnipsel Geduld

#BLOGSCHNIPSEL Wann ist Nana so groß geworden, dass ich mit ihr Unterhaltungen führen kann? Sie redet den ganzen Tag und benutzt schon richtig viele Worte. Das macht vieles einfacher. Aber nicht alles. Ihr neuer Lieblingssatz: Mama Komm! Meistens in genau solchen Momenten, in denen es mir gar nicht richtig passt. Ich vertröste sie dann oft, noch einen Moment zu warten, bis ich dieses oder jenes fertig gemacht habe. Nana wird dann schnell mal ungeduldig – und Ich genervt. BÄM. EIN SCHLÜSSELMOMENT. Wie oft bitte ich meine Tochter zu kommen und werde dann ungeduldig, wenn sie trotzdem ‚trödelt‘. Wie oft wird dann mein Kind wütend. Wie oft sehe ich nicht, dass sie gerade noch etwas wichtiges fertig machen will. Genauso wie ich, wenn sie mich ruft. Dass ich noch schnell durchsaugen will, bevor wir spielen, ist meiner Tochter ungefähr so unwichtig, wie es mich seufzen lässt, Kieselsteine zu sammeln. Ich kann nicht von meiner Tochter Geduld erwarten, wenn ich selber oft keine Geduld habe. Wenn ich will, dass sie kommt, wenn ich sie rufe, dann kann ich ihr nicht gleichzeitig vorleben, dass ein ‚ja, ich komme sofort‘ zeitlich ziemlich dehnbar ist, wenn ich selber (von ihr) gerufen werde. Und wenn ich selber nicht immer sofort aufspringen mag, wenn jemand mich ruft, dann sollte ich diese Zeit meinem Kind auch zugestehen. Zeit fertig zu werden, mit dem Erkunden der Welt. Sie hört mich, sie versteht mich. Sie weiß, wie es ist zu warten. Sie wird kommen. Xx Fiona

Blogschnipsel Gut Für Mich

#BLOGSCHNIPSEL Mein Kind ist, wie es ist. Laut. Wild. Willensstark. Sie ist gut, so wie sie ist, und ich habe nicht das Recht über sie zu bestimmen. Meine Aufgabe als Mutter sehe ich darin, Nana zu begleiten und für ihr Wohl zu Sorgen. Ich schütze sie (und schütze vor ihr), gebe ihr Orientierung und Erklärungen, um diese Welt zu verstehen -Aber ich bestimme nicht willkürlich über sie, ihr Verhalten und ihren Charakter. Ich verändere mein Kind nicht. Ich nehme sie an, wie sie ist. Es ist irrelevant, ob sie kooperiert oder wütet. Die Frage ist, wie ICH reagiere. Genaugenommen geht es beim Verzicht auf Erziehung nämlich überhaupt nicht um Arbeit am Kind. Es geht um die Arbeit an MIR. Es geht darum, in mich hinein zu hören. Mein Handeln, meine Kommunikation zu reflektieren, anerzogene Muster loszulassen und Verantwortung, echte Verantwortung für MICH und UNS zu übernehmen. Das ist anstrengend. Unerzogen ist nicht einfach, es ist ungemütlich. Aber es tut mir auch gut. Es hilft mir, Dinge neu zu betrachten und Frieden mit mir zu schließen. Mit jedem Muster, von dem ich es schaffe, mich zu lösen, fühle ich mich ein Stück freier, glücklicher. Ein Stück mehr eins mit meinem inneren Kind. Xx Fiona

Blogschnipsel Emotionen Spiegeln

#BLOGSCHNIPSEL Meine Tochter ist im Moment ganz vernarrt darin, wenn wir sie nachmachen. Sie wuschelt sich die Haare, fasst sich an die Nasse, lässt sich auf den Boden plumpsen, und wenn Mama oder Papa mitmachen, am besten synchron, wie ein Spiegelbild, dann freut sie sich wahnsinnig. Sie spürt ihre Selbstwirksamkeit, sie begreift, dass SIE Einfluss nehmen kann auf UNS. Im Alltag ist normalerweise sie es, die nachahmt. Hole ich den Staubsauger, schwingt sie den Kinderbesen. Trinke ich meinen Kaffee, will sie in ihrem Becher mit einem eigenen Löffel rühren und tut als würde sie trinken, kommentiert sogar mit heiß. Sie spiegelt. Sie ahmt nach und lernt dadurch wahnsinnig viel. Das Bespiegeln beschränkt sich allerdings nicht nur auf konkrete Handlungen. Im Gegenteil: Kinder sind ein wahnsinnig wertvoller Spiegel unserer Emotionalen Welt. Ist dir schon mal aufgefallen, dass dein Kind, wenn du genervt zum zehnten Mal Nein brüllst, statt wie gewünscht aufzuhören, sich eher weiter hineinsteigert, ja oft sogar das ‚Fehlverhalten‘ mit einem Grinsen untermalt? Das tut es nicht, um dich zu ärgern. Grinsen ist eine uralte Beschwichtigungsstrategie; ein ‚Hey Mama, ich weiß die Situation ist doof, aber schau ich lächle, ich hab dich lieb, ich will gar nicht streiten‘. In stressigen Situationen, Situationen die mich fordern und manchmal auch verzweifeln lassen, dreht Nana wahnsinnig auf. Sie wird dann wild, springt herum, zieht mir an den Haare und ’schimpft‘ mit mir – Sie spiegelt mich. Sie spiegelt meinen steigenden Stresslevel, meine Wut, meine Verzweiflung mit ihren zur Verfügung stehenden Mitteln: Und das sind Toben, Wüten und Grinsen. Ein übler Kreislauf, indem wir uns gegenseitig anstacheln, mit dem einen Unterschied meinerseits, dass ICH Verantwortung für diesen Kreislauf übernehmen kann – Mein Kind (noch) nicht. Ich kann einfah keine Kooperation von meinem Kind erwarten, wenn ich selber ihr nicht kooperativ entgegentrete. Das funktioniert nicht, denn sie spiegelt mich instinktiv. Das macht es nicht unbedingt einfacher, aber sich dem bewusst zu sein, ist eine echte Bereicherung. Wenn Nana nämlich aufdreht und so gar nicht mehr kooperieren mag, dann weiß ich, dass ICH selber erstmal runterkommen und durchatmen sollte. Danach können wir dann oft wieder viel besser miteinander umgehen. Xx Fiona

Blogschnipsel Sandmatsch

#BLOGSCHNIPSEL Nana hat gestern auf dem Balkon mit einer handvoll Sandmatsch nach mir geworfen. Sie hat dabei gelacht. Sie wollte spielen. Nicht mehr, nicht weniger als das. Ich hätte auf viele Arten reagieren können. Ich hätte erstmal stumpf Nein sagen, und ihr spätestens beim dritten Mal die Schaufel wegnehmen können. Ich hätte direkt schimpfen können. Ich hätte das Spiel abbrechen können. Ich hätte ihr drohen können, dass ich -oder besser noch wir beide- rein gehen, wenn sie es nochmal tut. Ich hätte vieles tun können, mit dem ich mich erzieherisch GEGEN mein Kind gestellt hätte; mit der Annahme im Kopf, dass sie etwas aus dieser Situation, die für sie doch nichts mehr als eine Spielaufforderung war, lernen müsse. Ich hätte vieles tun können, um ihr ein schlechtes Gefühl zu vermitteln, ein Gefühl von ‚SO bist du NICHT gut!‘. Stattdessen habe ich mich entschieden, den feuchten Sand einfach abzuklopfen, ihr zu sagen, dass ich keinen Matsch in den Haaren haben mag. Dabei griff ich selbst schon wieder nach der Sandform, mit der wir gerade beschäftigt waren. Die nächste Schippe Sand, die sie zum Wurf nach mir ansetzte, unterband ich sanft, indem ich meine Hand darüber hielt. Nana schaute. Dann schlug ich ihr vor, den Sandmatsch in die Sandkiste neben uns zu werfen. Sie tat es. Ich warf einen Klumpen Sandmatsch hinterher. So spielten wir weiter, warfen Sand in die Kiste, und niemand musste weinen, schimpfen oder sich schlecht fühlen, weil er irgendetwas ‚falsch‘ gemacht hätte. Weder mein Kind, noch ich. Xx Fiona

Blogschnipsel Hier kommt Nana

#BLOGSCHNIPSEL Zwergnase bekommt einen Namen! Es ist nicht ihr Klarname, aber ihr Spitzname. Übrigens jener, den sie sich selber gegeben hat, weil sie ihren richtigen Namen noch nicht aussprechen kann. Darf ich vorstellen: Nana. Wenn ich zukünftig auf dem Blog von meiner Tochter schreibe, werde ich sie also Nana nennen. WARUM? Vor dem Start von Unverbogen habe ich lange darüber nachgedacht, wie ich meine Tochter öffentlich nennen soll. Ihren Klarnamen und damit sie als unverwechselbares Selbst wollte ich nicht in den Fokus setzen. Stattdessen habe ich mir ein Pseudonym überlegt und kam so mehr spontan, als raffiniert auf Zwergnase. Heute denke ich etwas anders darüber. Meine Tochter ist Teil von Unverbogen. Ich KANN sie NICHT vollkommen anonymisieren, völlig aus dieser Sache raushalten, wenn ich authentisch über uns schreiben will. Hinzu kommt, dass es mir, nun ein paar Monate später, auch überhaupt nicht mehr gefällt als Zwergnase über sie zu schreiben. Die Bezeichnung passt nicht (mehr) zu ihr, ich stolpere darüber beim Schreiben und Lesen. Etwas anderes muss also her. Die Wahl ist nach reichlicher Überlegung (!) auf ihren Spitznamen gefallen, weil er zu ihr passt, mehr als jeder andere Name. Weil das nunmal MEIN Kind ist. Weil ich eben nicht über irgendein Kind schreibe, sondern über meines, über uns und unseren Weg. Es fühlt sich besser an, persönlicher. Echter. Nun denn, willkommen im Blog. Hier kommt Nana. Xx Fiona