Über Belohnungen, Lob Und Wertschätzung


Wenn du dich mit Erziehungsfreiheit auseinandersetzt, und die Vorstellung nicht von vorneherein für dich unzumutbar findest, kommst du nicht umhin, einzusehen, dass es nicht verkehrt sein kann, auf Gewalt zu Verzichten, Kinder anzunehmen, wie sie sind, ihnen nicht zu Drohen, und ihnen nicht durch Strafen für ihr ganzes Leben zu Schaden. Und dann kommt irgendwann mitten im Fluss der Zustimmung dieser Moment, wenn du auf Beiträge stößt, in denen es heißt, Belohnungen und Lob sind auch nicht besser, sind auch eine Form von Gewalt. Auch darauf verzichten wir!

Das hinterlässt einen komischen Beigeschmack, habe ich Recht?

Genauso irritiert habe ich nämlich auch geschaut, als ich das erste Mal darüber gelesen habe.

Natürlich: Ich war zwar auch schon der Ansicht, ein Kind sollte nicht mit Lob überhäuft werden, schon gar nicht für Banalitäten, aber was an einem ›gut gemacht‹ falsch sein könnte, und warum das Fleißsternchen fürs aufgeräumte Zimmer ein absolutes NoGo ist, das war mir zu dem Zeitpunkt, als ich das erste Mal darüber stolperte, nicht ganz klar.

Besonders hart traf es mich vermutlich, weil wir gerade in einer Phase waren, in der ich eifrig mein Kind für alles mögliche lobte, was sie gerade neu lernte. Sich in den Stand hochziehen zum Beispiel. Und damit sollte ich aufhören?

Nun hätte ich natürlich die Möglichkeit gehabt, schulterzuckend darüber das Browserfenster zu schließen, und unser Leben genauso zu leben, wie ich das halt bis zu diesem Zeitpunkt dachte. Immerhin machte ich ja schon ziemlich viel anderes ›richtig‹. Stattdessen habe ich mich aber näher damit auseinandergesetzt, ich habe gelesen und nachgedacht. Und inzwischen habe ich verstanden, was die Schwierigkeit an dieser Thematik ist.

Belohnungen gehören heute ganz klar zu den Methoden, auf die wir im Umgang mit unserer Tochter komplett verzichten. Mit Lob bin ich ebenfalls sparsam geworden, vermeidend, aber rufe meinem Kind doch oft noch ohne schlechtes Gewissen das so arg umstrittene ›gut gemacht‹ zu. Weil es mir mit der für mich einzigen richtigen Absicht passiert: Nämlich aus Freude!

Das Gegenteil von Gut

Belohnungen und Lob das klingt zugegebenermaßen erstmal überhaupt nicht schlimm; Sind das doch zwei Dinge, über die sich die meisten Erwachsenen genauso freuen, wie Kinder es tun. Was aber nicht zuletzt daran liegt, dass wir diese Mittel aus unserer Kindheit gewohnt sind!

Tatsache ist jedoch: Belohnungen und Lob verhalten sich genau wie Strafen.

Es sind Mittel zur klassischen Konditionierung, also Mittel, um Kinder gezielt zu manipulieren. Die positiven Gefühle, die durch den belohnenden Reiz ausgelöst werden, sollen ein erwünschtes Verhalten festigen und dafür sorgen, dass es wiederholt wird.

Mehr noch. Das gegenteilige unerwünschte Verhalten wird auf diese Weise automatisch negativ konnotiert und unterbunden. Das Ausbleiben der Belohnung ist dann wieder eine implizite Strafe. Auch wenn das vom Erwachsenen erstmal gar nicht bewusst so angedacht sein mag. Es bleibt trotzdem das, was beim Kind ankommt, wenn das erhoffte Lob ausbleibt.

Belohnung und Strafe sind im Endeffekt also nichts anderes, als zwei Seiten einer Medaille, die in der klassischen Erziehung konstant gegeneinander ausgespielt werden. Ein Kind soll es anstreben Belohnungen und Lob zu erhalten, und gleichzeitig Verhaltensweisen meiden, die zur Bestrafung führen.

In einem solchen Konditionierungsnetz kann es überhaupt nicht möglich sein, sich frei zu entwickeln.

Stattdessen greift eine latente strukturelle Gewalt, die den Zögling vom Erziehenden und seinem Urteil abhängig macht.

Bei allem was das Kind tut, muss es abwägen, ob eine positive Rückmeldung oder eine Bestrafung die Folge sein könnte. Freie Entscheidungen werden zugunsten positiver Konditionierungen übergangen.

Druck und Angst: Das Problem Mit Den Fleißsternen

Ein Belohnungssystem, so viel Freude es oberflächlich bereiten mag, wenn alle Aufkleber aufgeklebt, und sogar ein Geschenk eingetauscht wird, übt unheimlichen (auch unbewussten) psychischen Druck aus. Und das bereits dann, wenn es NUR um das Sammeln der positiven Rückmeldung geht.

Ich erinnere mich, dass wir in der Grundschule einen Stempel unter Diktate bekommen haben, wenn wir schön geschrieben haben. Einmal habe ich diesen Stempel nicht bekommen, und ich war traurig, obwohl es, außer über die Schönschrift, nichts über die Richtigkeit des Diktates aussagte – Es war nur ein zusätzliches Lob. Von diesem Tag an habe ich meine Schrift immer skeptisch im Blick gehabt, und nach jedem Diktat gebangt, wieder einen Stempel darunter zu finden. Noch heute fühle ich mich schlecht, wenn ich in Eile weniger leserlich schreibe, und eine Seite in meinem Collegeblock nicht ordentlich aussieht. Ich reiße dann manchmal sogar die unschönen Seiten aus, und fange das Aufschreiben komplett von vorne an, selbst wenn niemand außer mir selber meine Notizen zu lesen bekommt.

Eigentlich war es ein banales Belohnungssystem, aber es rennt mir immer noch hinterher.

Freilich, eine Regelschule arbeitet nun mal mit Belohnungen, und der Stempel hinterließ sicher nicht bei allen meinen Schulkameraden bis ins Erwachsenenalter einen bleibenden Eindruck.

Was ich dir mit meiner eigenen Erfahrung zeigen will: Es kommt auf die psychische Verfasstheit an, und auf die Emotionen, die eine Maßnahme im Einzelnen auslöst. Bei mir hat sich dieses Schulzeiterlebnis eingebrannt.

Die psychische Verfasstheit unserer Kinder kennen WIR nicht! Und wir sollten deshalb NIEMALS von einem ›das wird schon nicht schaden‹ als Standard ausgehen.

Es KANN Schaden.

Schon alleine diese Möglichkeit sollte uns genügen, um umzudenken.

Wenn ein Kind also einen Aufkleber bekommt, wenn es auf die Toilette geht, keinen Aufkleber wenn es die Windel braucht, und womöglich sogar einen Kleber abgezogen kriegt, sollte es ganz daneben gehen, dann hilft das eventuell zwar beim zügigeren trocken werden, weil das Kind Aufkleber sammeln WILL, motiviert WIRD, aber es übt immer auch Druck von außen aus.

Schon das Ausbleiben der Belohnung, vermittelt: SO bist du nicht gut genug.

Druck, das gewünschte Verhalten zu erfüllen, und Angst, zu versagen, sind auf diese Weise die zwei wesentlichen Katalysatoren von Belohnungssystemen. Sie funktionieren genau wie bei Bestrafungen, nur dass das Belohnungssystem sich hübscher kleidet, in dem es die positive Verstärkung statt der Sanktion in den Vordergrund stellt. DAS macht es aber nicht besser!

Auch kann der wiederholte Einsatz von Belohnungen (und Lob) auf lange Sicht dazu führen, dass ein Kind sich später ohne diese Form der Rückmeldung generell weniger anerkannt fühlt, weil die reine W e r t s c h ä t z u n g alleine nicht mehr ausreicht, um sich selber als ausreichend zu empfinden.

Die Sache mit den Belohnungen ist, finde ich, ist an dieser Stelle also ziemlich eindeutig: Als Gegenbild zur Strafe mit dem Ziel, ein Kind zu einer bestimmten Verhaltensweise anzuhalten, kommen sie für uns nicht in Frage.

Auf Belohnungen zu Verzichten heißt im Umkehrschluss aber natürlich nicht, dass ich meinem Kind nichts schenke. Bei uns gibt es dauernd Geschenke, vermutlich viel zu viele davon, aber sie sind einfach nicht an ein Verhalten geknüpft.

Besonders wichtig finde ich persönlich das übrigens in den ersten Lebensjahren, in denen sich das Selbstbild entwickelt.

Mir ist bewusst, dass es nahezu unmöglich sein wird, meine Tochter von Belohnungssystemen ganz abzuschirmen. Diese Methode, genau wie Lob, ist einfach viel zu gängig in unserer Gesellschaft -und wird selten als etwas schlechtes erkannt. Ich kann nicht die Welt verändern, ich kann es nur selber anders machen: Was ein Kind von Haus aus erlebt, das ist entscheidend für die Wahrnehmung der Vorgänge in der restlichen Welt. Wenn Nana älter ist, wird sie sich vielleicht auch zur eigenen Motivation Belohnungen selbst überlegen, vielleicht wenn sie für Prüfungen lernen muss. Das ist natürlich okay. Nur werde ICH ihr Solche nicht von außen auferlegen, und ich würde niemals darauf bestehen, dass sie es so macht.

Manipulatives Lob

Kommen wir zum Lob. Hier wird die Sache gefühlt komplizierter. Lob schmeichelt der Seele, so sagt man. Und zu den Dingen, die ein Kind hören will, gehört das ›gut gemacht‹ ganz sicher dazu. Habe ich auch gedacht.

Finde ich auch immer noch. Ein bisschen zumindest.

Nämlich dann, wenn das Lob von Herzen kommt, statt aus dem Teil unseres Gehirns, der berechnende Pläne für die nahe oder ferne Zukunft unseres Kindes schmiedet und es dahingehend formt. Weil es dann MEHR ist, als nur ein Lob.

Wichtig ist, wie fast immer, wenn wir von Dingen im unerzogenen Kontext sprechen, sich über die Definitionen klar zu werden. Was ist eigentlich Lob?

Lob ist eine zielgerichtete Handlung, also nichts anderes als eine Belohnung, auf der verbalen Ebene, um eine Handlung oder eine Situation zu bewerten (!) und damit das Gefallen und schließlich die Erwünschtheit des Verhaltens auszudrücken. Lob in seiner reinen Form ist manipulativ! Besonders für ein Kleinkind hält sich das Lob der Eltern mit der materiellen Belohnung die Waage, denn was ist für ein kleines Kind wertvoller, als die Begeisterung der Eltern, wenn es keinen materiellen Wert unterscheidet?

Nana freut sich immer wahnsinnig, wenn sie etwas findet, mit dem sie uns zum Lachen und Freuen bringen kann. – Das ist auch überhaupt nicht falsch. Im Gegenteil, es ist für uns alle eine Freude. Natürlich zeige ich meinem Kind, wenn mich etwas, das sie tut begeistert: Ich freue mich MIT ihr, ich zeige ihr MEIN Interesse an IHR. Ich w e r t s c h ä t z e mein Kind, statt es zu loben.

Statt Nana drölfzig mal zu sagen, dass sie ›ganz toll tanzt‹ (Also ihre Handlung zu bewerten!), tanze ich mit ihr, klatsche dazu und sage ihr, dass ›ich sehe, dass sie Spaß hat. Und das ich auch ganz viel Spaß habe‹. Oder ich bedanke mich, wenn sie mir hilft, die Einkaufstasche auszuräumen, statt übereifrig zu betonen ›wie gut sie das macht‹ und ›wie lieb das von ihr ist‹.

Der Unterschied zwischen Lob und Wertschätzung ist intuitiv ziemlich schmal, zugegeben. Ich habe da gerade am Anfang auch mit mir gehadert.

Ich unterscheide es am einfachsten so: Lob ist in erster Linie die Bewertung und dadurch Verstärkung des Verhaltens, Wertschätzung hingegen ist das darüber Kommunizieren und Anteilhaben.

Ein Beispiel aus Erwachsenensicht: Natürlich freut es mich, wenn mir jemand sagt, dass meine Seminararbeit gut geschrieben ist. Ich mache mir aber auch automatisch den Druck, wieder diese Leistung zu erbringen, um zu genügen. Noch mehr freue ich mich, wenn sich jemand mit mir hinsetzt und sich über den Inhalt unterhält, mich fragt, ob ich selber zufrieden mit meiner Leistung bin und anerkennt, dass ich die Arbeit ja in Nachtschichten geschrieben habe, weil ich erst daran arbeiten konnte, wenn das Kind im Bett lag. Wenn mein Gegenüber mir also sagt, was für einen Eindruck, meine Arbeit bei ihm auslöst, Interesse zeigt, statt meine Arbeit auf das ›gute‹ Ergebnis zu reduzieren und mich mit einer Floskel abzufertigen.

Überlege dir eine ähnliche Situation aus deinem Leben. Ist es wirklich ein Lob (eine Bewertung!), was du rückgemeldet bekommen möchtest, oder echte Anteilnahme und Wertschätzung? Ist es das ›gut gemacht‹ oder ein ›ich freue mich für dich, dass du fertig bist. Du hast dir so Mühe gegeben‹.

Vielleicht verstehst du jetzt den Unterschied, den ich meine etwas besser.

Bis hierhin die Theorie.

Ist Wertschätzung Eine Sache Der Wortwahl?

Das erste, was mir durch den Kopf geschossen ist, als ich das mit dem Unterschied zwischen Lob und Wertschätzung verstanden hatte, war: Kann ein ›gut gemacht‹ denn nicht auch wertschätzend gemeint sein? Soll ich darauf denn jetzt wirklich ganz verzichten? Und was sage ich stattdessen?

Im Diskurs über Lob und Wertschätzung beobachte ich, dass viele (mitnichten alle) Unerzogen Vertreter klar suggerieren auf wertende Formulierungen ganz zu verzichten. Stattdessen wird geraten, Situationen zu beschreiben, die eigenen Gefühle zu beschreiben und das Kind zu fragen, wie es selbst fühlt. Erstmal ein ›Ich sehe Dich‹ ist die vermutlich bekannteste Antwort, auf die Frage, wie denn Wertschätzung ausgedrückt würde.

Das alles tue ich, und kann ich so weitergeben: Redet darüber, statt zu werten. Sagt, wie es euch damit geht. Sprecht von Euch, nicht vom Urteil.

Aber manchmal reicht mir das nicht aus, um meine Freude auszudrücken, und nach dem ›Du hast das Puzzle alleine zusammengesetzt‹ oder dem vor Niedlichkeit dahinschmelzenden ›Danke Nana‹ ballert ohne Atempause statt dem ›Ich freue mich‹ ein euphorisches ›gut gemacht‹ hinterher. Ups.

Ein Grund mich schlecht zu fühlen? Nein. Ich denke, beim Loben oder Wertschätzen, oder wie du es nennen magst, kommt es auf mehr an als auf die Worte.

Ich kann auch ein ›Ich sehe dich‹ instrumentalisieren, um mein Kind positiv zu bestärken – Denn dann sehe ich andere, unerwünschte Verhaltensweisen eben einfach bewusst (!) weniger, spreche nicht darüber (oder schimpfe vielleicht). Das ist dann nichts anderes. So einfach ist das also gar nicht.

Es kommt auf die Intention an.

Wenn ich wertschätzend Formuliere mit der Intention zu Manipulieren, weil mein Kind bitte Verhalten X zeigen soll, dann ist es trotzdem ein Lob. Es klingt nur schöner.

Und umgekehrt: Wenn meine Tochter weiß (und ich kann nur hoffen, dass sie das tun wird!), dass mein ›gut gemacht‹ aus dem Herzen kommt, aus reiner Freude und Stolz, und nicht, um sie damit zu manipulieren, weil ich ein anderes Verhalten weniger an ihr liebe; ja wenn mein Kind WEIß, dass ich sie liebe, genauso wie sie ist, dann ist daran nichts schlimm! Dann kann auch die lobende Formulierung ›toll. Das hast du gut gemacht‹ meinem Kind meine Wertschätzung ausdrücken. Dann bewerte ich zwar immer noch die Sache (was prinzipiell, finde ich, gar nicht das Problem ist), aber mein Kind weiß auch, dass ich damit ein anderes Verhalten nicht abwerte oder lieber an ihr habe, weil diese Kategorie von Lob bei uns einfach nicht existiert. Sie macht sich dann keinen Druck, da ich keinen Druck erzeuge, weil sie aus alle dem wie wir hier leben, spürt, dass sie gut ist, wie sie ist.

In diesem Sinne denke ich, ist es nicht die wertende Lobformulierung, die in der Kritik stehen muss. Es ist die Intention. Das Warum, das dahinter steht.

Warum spreche ich ein Lob (oder eine Wertschätzung) gerade aus? Will ich positiv konditionieren – Oder will ich meine Freude ausdrücken, und mir brennt halt gerade ein ›gut gemacht‹, statt einem ›ich sehe dich‹ auf den Lippen.

Das Zurückhalten, nochmal Durchatmen, um irgendwie bessere Worte zu finden, als die, die gerade aus meinem Herzen kommen, fände ich an dieser Stelle verkehrt. Wut zu überdenken ist immer plausibel. Das ist etwas, was ich auch gegenüber Erwachsenen tue, um Konflikte vernünftig zu führen. Aber Freude überdenken? Das tue ich auch gegenüber Gleichaltrigen nicht.

Natürlich kommt es auch auf den konkreten Kontext in dem die lobende Formulierung fällt an, darauf ob echte Interesse gezeigt wird, oder nicht. Und auf das gesamte Drumherum der kindlichen Lebenswelt ebenso; auf ALLES das, was das Kind als Familienleben tagtäglich erfährt. Als Eltern einfach zu sagen, mein ›gut gemacht‹ ist jetzt wertschätzend gemeint, reicht natürlich nicht aus. Es muss auch wirklich so sein! Das Kind muss wie es ist geliebt sein, auch bei unerwünschtem Verhalten. Gerade dann.

Es ist also schwierig mit dem Lob.

Falsch ist Lob als Mittel zur direkten Beeinflussung. Also als ein gezieltes Loben von bestimmten Verhaltensweisen, damit mein Kind diese beibehält.

Als Nana das erste Mal mit der Gabel gegessen hat, klar habe ich mich darüber gefreut ›wow du benutzt die Gabel‹ und ein ›hej das klappt ja richtig gut‹, ABER ich habe nicht jeden Bissen mit der Gabel positiv verstärkt, damit sie weiterhin mit der Gabel isst; und ich habe sie auch nicht beim nächsten Essen daran erinnert ›wie toll‹ das beim letzten Mal geklappt hat.

Manipulation ist Mist. Es ist eine Form von Gewalt. Ein Eingriff in die Persönlichkeit und die persönliche Entwicklung. Und unnötig noch obendrein, weil ein Kind sich sowieso immer nach bestem eigenen Willen und Können entwickelt.

Catching In Beeing Good

Es gibt Situationen, da sind wir als Eltern mit dem Latein einfach am Ende und froh, wenn überhaupt irgendetwas irgendwie funktioniert. Kenne ich auch. Und dann ist so ein Lob an der richtigen Stelle doch allemal besser, als eine Strafe und der Verlust der eigenen Selbstbeherrschung an einer anderen. Oder etwa nicht? Catching in Beeing Good, statt Totalausfall.

Nicht weiter zu wissen, rechtfertigt NICHT ein Kind irgendwie zu manipulieren. Nie. Das Kind kann nämlich nichts dafür. Die Verantwortung auf diesen kleinen Menschen zu schieben, statt für die eigenen Emotionen, Ängste und Vorstellungen gerade zu stehen, ist mMn immer falsch.

Im Endeffekt denke ich zwar, dass es ein Kind, das NUR durch Lob erzogen wird, in der Kindheit (!) besser trifft, als eines, das aktiv bestraft und beschimpft wird, trotzdem wird aber auch dieses Kind auf Dauer ein Gefühl entwickeln, nur dann gut genug zu sein, wenn es anderen gefällt. Das Elternteil, das weil es nur lobte, behauptet niemals bestraft zu haben, erkennt nicht, wie viel Bestrafung ein ausbleibendes Lob fürs Kind war!

Manipulatives Lob und Belohnungen gehen IMMER mit subtiler Bestrafung Hand in Hand! Wie wir es auch drehen und wenden wollen, Manipulation schadet. Es verbiegt. Es formt das Bild, dass das Kind von sich selbst hat. Prägt Glaubenssätze und Genügensansprüche fürs ganze Leben.

Hand aufs Herz. Trotzdem, so gerne ich wollte, ich kann mich davon nicht freisprechen, Nana in vielen Dingen zu zeigen, welches Verhalten mir lieber ist. Ich denke nicht, dass irgendjemand sich davon freisprechen kann. Bei allem Erziehungsverzicht haben wir ALLE Vorstellungen. Vorstellungen von Situationen, von Verhaltensweisen, von unseren Kindern. Und die vermitteln wir. Dauernd. Dafür braucht es gar nicht ein Lob und eine Belohnung (oder eine Strafe), unsere Stimmung alleine drückt oft genauso viel aus -Und die bemerken unsere Kinder am Ende des Tages eben genauso.

Worte sind mächtig, aber unsere Ausstrahlung ist es auch.

Bei uns ist so ein typisches Thema das Zähne Putzen. Ein ewiges Auf und Ab, dabei ist das so total wichtig, finde ich, und wenn das Nachputzen mal wieder klappt, ja dann merkt mein Kind durchaus, dass ich es lieber so habe. Ohne ein ›toll gemacht‹. Meistens sage ich einfach nur ›Danke‹ (Kein Lob!). Aber: (Und da wären wir bei der Sache mit den Intentionen) Ich sage das Danke bewusst, nicht nur weil ich erleichtert bin, dass es gerade funktioniert hat, sondern in der Hoffnung, dass sie es wieder machen lässt.

Diese Vorstellung davon, dass Zähneputzen wichtig ist, dass ich möchte, dass es funktioniert, kann ich nicht ablegen. Natürlich, merkt mein Kind das. Was ich also tun kann? Ich kann mit meinem Kind reden. Ehrlich sein.

Wichtig ist mir, dass Nana weiß, dass SIE als Person, wie sie ist, gut ist.

Nach Konflikten, sage ich ihr immer nochmal, das es okay ist. Dass ich sie liebe, wie sie ist. Auch wenn sie weiß, dass es dieses Verhalten gibt, dass MICH stört, ändert das nichts daran, dass sie MIT diesem Verhalten immer noch richtig ist, und auch genauso bleiben kann, wenn sie das will. Weil es für SIE ja gar nicht schlimm ist, und auch nicht schlimm sein muss. Was mich stört, dass ist nichts an IHR, dass ist MEINE unerfüllte Vorstellung. Mein Kind ist NIEMALS das Problem. Das halte ich mir immer vor Augen. Xx Fiona 

Autor: unverbogenkindsein

Literaturstudentin, Mutter und Freigeist <3

2 Kommentare zu „Über Belohnungen, Lob Und Wertschätzung“

  1. Ich freue mich über Deinen Beitrag, weil er mir aus dem Herzen spricht. Ich erinnere mich daran, als mein Sohn , damals 4 Jahre, schaukeln lernte. Eigentlich wollte ich „Guuut!“ rufen, ließ es dann aber und sagte: „Paul, ich freu´mich für dich! Hast du gar keine Angst mehr?“ (Er wollte es lange nicht machen, aus Angst.) „Nein“, rief er, „schau mal in mein Gesicht! Schau mal, ich lache! Mein Magen traut sich das jetzt!“ Wie viel er dadurch von sich aussagte! Ich hätte es nicht erfahren, wenn ich ihn gelobt hätte.
    Alles Gute für Dich und Deine Familie!

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