Tischmanieren?! Warum Mein Kind Nicht Am Tisch Sitzen Bleiben Muss (Selbstbestimmt Essen Teil II)


Hunger und Durst sind natürliche Bedürfnisse des Menschen, neben Schlaf, Wärme und Sicherheit, welche keine äußere Einflussnahme benötigen. Der zuverlässigste Hunger und das sicherste Sättigungsgefühl sind solche, die Frei von Manipulation geblieben sind, die von Innen, wortwörtlich aus dem Bauch heraus kommen. Im Ersten Teil habe ich bereits vom Essen nach Bedarf erzählt, unserem persönlichen Weg vom Stillen zum Essen vom Tisch. Heute möchte ich dir einen Einblick in unsere vier Wände geben und dich einladen, dich mit uns an den Esstisch zu setzen. Oder auf die Couch. Oder den Boden. Tischmanieren gibt es bei uns nämlich keine. Zumindest keine unumstößlich festen, die für ein anderthalbjähriges Kind gelten müssten.

Mit Den Finger Essen

Während Zwergnase anfangs tatsächlich kaum Interesse daran hatte mit den Fingern die Breischüssel zu untersuchen, genoss sie es später wahnsinnig, festes Essen mit den Händen zu fühlen. Pulen, Matschen, Schmieren, Zerdrücken. Vor allem unbekannte Lebensmittel wurden auseinandergenommen und eingehend erkundet, bevor sie im Mund landeten.

Besonders intensiv wurden oft auch die Flugfähigkeiten untersucht. Was runterfiel hob ich ihr ggf. wieder auf, manchmal gänzlich unkommentiert, manchmal mit einem kurzen Satz, wie ich ihr Werfen gerade empfand. Warf sie vermehrt, auffällig spielerisch, fragte ich nach, ob sie satt sei. Bejahte sie auf die ein oder andere Weise, zeigte ich ihr eine andere Möglichkeit, mir ihr satt sein mitzuteilen: Ich zeigte ihr, dass sie den Teller vorschieben konnte. Nach einer Weile übernahm sie diese Anregung. Was trotzdem noch runterflog, das schmiss sie aus Forscherdrang. Das wusste ich, aber auch das war okay. Kleinere Portionen verhinderten Frust bei MIR und endloses Bodenwischen. Inzwischen hat das Werfen überdeutlich nachgelassen. Ihr Essen mit den Händen zunehmend auch.

Essen mit den Fingern ist mMn eine unheimlich sinnige und lehrreiche Erfahrung für Kinder. Konsistenzen und Temperaturen spüren, Unterschiede in der Haptik wahrnehmen. Niemals würde ich auf die Idee kommen, meinem Kind diese Erkenntnisse vorzuenthalten, weil ›mit Essen spielen‹ irgendwie in unserer Gesellschaft nicht tolerierbar erscheint. Versteht mich nicht falsch: Ich halte absolut nicht viel von Verschwendung, schon gar nicht angesichts der ungerechten Güterverteilung in unserer Welt. Aber dafür hat ein (Klein)Kind einfach noch überhaupt keinen Weitblick. Eine ethische Debatte kann und will ich nicht zum Fundament für den Forscherdrang meiner Tochter nehmen, der gerade alles ist, was ihre kleine Welt ausmacht. Das mit Frischkäse gemalte Kunstwerk auf der Tischplatte ist schnell beseitigt. Und nach ein paar Mal ausgiebigem Probieren, hat sie erfahrungsgemäß ohnehin genug damit geforscht.

Zwergnases Kinderbesteck lag beim Essen vom ersten Bissen an immer nebendran. Anfangs unberührt, während ich sie machen ließ, selber aß, und meiner Tochter ab und zu anbot, ihr eine Nudel auf ihre Gabel zu piksen. Irgendwann wurde das Besteck interessant. Manchmal forderte sie mich auf, ihr zu helfen. Oft gab sie nach ein paar eigenen Versuchen auf und aß mit den Fingern weiter, aber sie wurde ehrgeiziger, schaffte es irgendwann, und seither verlangt sie ihr Besteck zum Essen. Auf die Finger greift sie gelegentlich zwar noch zurück, aber ohne Besteck fängt sie oft nicht an – Selbst dann, wenn es ausdrücklich Fingerfood gibt, will sie ihre Gabel haben. Beim Frühstück bestreicht Zwergnase außerdem inzwischen ihr Brötchen selbst mit Butter. Dass das Messer am Tisch liegen bleibt, wenn sie es nicht benutzt, ist eine unserer wenigen Regeln.

Am Tisch – Auf Dem Boden – Beim Spielen: Wo Isst Du?

Ungefähr bis zu dem Zeitpunkt, als Zwergnase frei laufen konnte, saß sie gerne in ihrem Hochstuhl und hat bis auf wenige Ausnahmen ihre Mahlzeiten dort eingenommen. Dann wurde die Welt um sie herum wieder größer, bunter, erkundbarer und der Hochstuhl zur Einschränkung. Zwar wollte meine Tochter zum Anfang der Hauptmahlzeiten immer noch in ihren Stuhl gehoben werden, nach ein paar Bissen wurde sie aber ungeduldig, zappelte und aß oft nur wenig. Wir hoben sie raus und ließen sie laufen. Einen Zwang am Tisch sitzen zu bleiben, gibt es hier für NIEMAND, wird es nie geben, auch nicht fürs Kind. Auch ist das Essen hier nicht automatisch beendet, wenn du dir bei mir die Beine vertreten willst, statt angespannt sitzen zu bleiben, bis der letzte Gang aufgegessen ist.

Nudeln mit Sauce konnte Zwergnase sich von nun an Gabelweise auf Mamas Schoß abholen. Alles was nicht zu sehr schmierte, oder Flecken gab, stellte ich meiner Tochter auf Griffhöhe, sobald sie keine GEDULD mehr hatte, mit uns am Tisch zu sitzen. Zwergnase spielte dabei, lief herum und kam wieder. Manchmal setzten wir uns zu ihr, manchmal machten wir von vornherein ein Picknick auf dem Wohnzimmerboden.

So ist das bis heute.

Wenn es Essen gibt, setzt meine Tochter sich von sich aus an den Tisch. Ist der erste große Hunger gestillt, steht sie auf. Der Hochstuhl ist inzwischen gewichen, stattdessen hat Zwergnase einen Kindertisch neben unserem stehen, den sie aber größtenteils für Snacks und zum Bilder malen benutzt. Überwiegend sitzt Zwergnase mit uns am Esstisch auf einem normalen Stuhl; klettert dort alleine rauf und wieder runter, läuft eine Runde um den Tisch und setzt sich dann wieder hin -oder macht es sich mit ihrem restlichen Frühstücksbrötchen auf der Couch (im selben Raum!) gemütlich. Selten verlässt sie das Wohnzimmer. Wenn, ist das aber genauso in Ordnung. Ich bitte sie dann nur, dass sie die Nudeln bei uns lässt, damit keine Lebensmittel unauffindbar in der Wohnung verteilt werden.

Zugegeben, wenn ich das so aufschreibe, klingt das erstmal ziemlich chaotisch. Von außen betrachtet, gerade aus einer erziehenden Perspektive, ist es das vermutlich auch.

Aber: Ich empfinde es nicht als Chaos. ICH empfinde unsere Esssituation entspannt, ungezwungen, fröhlich, lebhaft. Es stört MICH nicht.

Mir fehlt auch nicht dieses Wir-Gefühl bei den Mahlzeiten gemeinsam am Tisch, von dem du nun vermutlich schwärmst. Im Gegenteil: Wenn mein Kind lachend vom Tisch zur Couch rennt, ihrem Teddy ein Stück Gurke anbietet, dann zurückgelaufen kommt und auf meinen Schoß will, um sich von dort aus ein zweites Stück Gurke zu stibitzen, dann fühle ich mich mehr mit meinem Kind verbunden, als es eine starres Essen am Tisch jemals möglich machen könnte. Weil ich nämlich nicht GEGEN mein Kind arbeite. Ich dränge ihr keine Konventionen auf, die ihrem Empfinden noch fremd sind. Ich zwinge sie nicht gegen ihren Bewegungs- und Spieldrang zu handeln, um MICH glücklich zu machen, nur damit ANDERE uns für eine Bilderbuchmusterfamilie halten können. Ich nehme sie an, wie sie ist und isst. Ich nehme an, dass sie unsere Konventionen erst noch lernt und begreift, und öffne mich gleichzeitig selber dafür, dieselben Konventionen nicht zu Ernst zu nehmen. Nicht zuhause, dort wo meine Tochter ihren Hafen hat.

Mein Mann und ich essen übrigens überwiegend am Tisch, gesittet mit Besteck. Manchmal aber auch auf der Couch oder auf dem Boden. Pizza und Pommes esse ich IMMER mit den Händen. Und das war schon so, bevor unser Kind geboren war. Gemütlich ist das nämlich. Nicht chaotisch.

Ich habe außerdem die Erfahrung gemacht, dass mein Kind besser isst, seit sie ganz alleine entscheiden kann, wann sie aufsteht und sich (wieder) setzt: Manchmal isst sie zwei Bissen, steht auf und spielt erst noch etwas mit ihrem Lego. Dann kommt sie nach zehn Minuten wieder, nachdem sie ihrem dringenden Spieltrieb ungestört nachgehen konnte, setzt sich wieder zu uns und isst fast den ganzen Teller auf. Hätte ich in derselben Situation darauf bestanden, dass sie zuerst isst, hätte sie vermutlich nur noch zwei weitere Happen heruntergewürgt, wäre dann mit der Versicherung keinen Hunger zu haben, Lego bauen gegangen, während ich ihr Essen ›konsequent‹ abgeräumt hätte. Ihr anschließendes Quengeln aus Hunger hätte ich ignorieren oder bekämpfen müssen, denn sie hatte ja ihre Chance gehabt. Ich bezweifle den Nutzen dieser Vorgehensweise.

Ich weiß nicht, warum manche Eltern glauben, es sei verheerend für jegliche Zukunftsaussichten, dem Kind den Bewegungsdrang JETZT nachzugeben. Dahinter steckt der Glaube, der Hunger des Kindes müsste gerade das größte Bedürfnis sein – und wenn es das nicht ist, wenn es unbedingt spielen will, gut, dann muss das Kind den Hunger eben bis zum Abendbrot aushalten.  Als Strafe. Als Lehre. Das ist gemein! Eltern erwarten eine Denkweise von Kleinkindern (!), die sie überhaupt noch nicht leisten können. Die Abwägung erst zu Essen, OBWOHL das Bedürfnis nach Spiel gerade überwiegt, um den Hunger, der vielleicht noch gar nicht präsent ist, VORSORGLICH zu stillen, ist eine nahezu unmögliche Denkleistung, die ich meiner Tochter (noch) nicht zumute. Sie kann spielen, sie kann sich bewegen, sie kann essen. Nacheinander oder gleichzeitig. Sie kann die Prioritäten nach ihren eigenen, eigenständig wahrgenommenen Bedürfnissen richten. Meine Tochter weiß schließlich am besten, was sie gerade JETZT braucht.

Die Befürchtung, dass mein Kind niemals am Tisch sitzen und ordentlich essen wird, teile ich nicht. Beim Geschäftsessen mit mitte Dreißig wird sie wohl kaum mit dem Steak in der Hand um den Tisch laufen.

Warum ich mir da so sicher sein kann? Zunächst, weil diese Befürchtung natürlich völlig irrational ist. Meine Tochter ist anderthalb, sie wird noch viele Erfahrungen sammeln, viele Essgewohnheiten Beobachten, und vor allem wird sie lernen ihr Hungergefühl vorausschauend abzuschätzen und Bedürfnisse logisch gegeneinander abzuwägen. Bis dahin ist es aber noch ein langer Weg, den ich nicht durch Erziehung formen, sondern sich selbst entwickeln lassen will. In ihrem Tempo. Durch Beobachtung, Nachahmung und echtem Verständnis für die Dinge unserer Welt.

Außerdem beweist mir meine Tochter fast täglich, dass sie sich anpassen kann, wenn eine Situation es erfordert. Dass sie in der Lage ist zuhause und auswärts zu unterscheiden. Dazu braucht es keine erzieherische Formung und vorsorgliche Belehrung: Reaktionen Beobachten, Ausprobieren und Erfahrungen sammeln reicht völlig aus.

Auswärts Essen

So wie unser gemeinsames Essen zuhause abläuft, schlägt manch einer vermutlich die Hände über dem Kopf zusammen: Wie soll das auswärts funktionieren?

Ein Kind lernt. Immer. Ein Kind ist also durchaus in der Lage, wenn es gelassen wird, Situationen durch Beobachtung voneinander abgrenzen zu lernen. Und das geht meist sogar total schnell.

Bei Oma und Opa sitzt meine Tochter beispielsweise noch sehr gerne im Hochstuhl, sie wirft dort auch von Anfang an weniger Essen herunter. Sie läuft zwar herum, holt sich nochmal einen Bissen von Omas Gabel ab, kommt aber dort nicht auf die Idee, mit ihrer Schüssel auf der Couch weiterzuessen. Bei Freunden bleibt sie oft einfach auf meinem Schoß sitzen, während wir essen. Es kommt natürlich dabei auf die Gesamtsituation an, das Gefühl von Vertrautheit, die Stimmungen. Kinder spiegeln soetwas.

Auch Restaurantbesuche sind kein Problem. Ich lasse Zwergnase sich hier in einem abgesteckten Rahmen ebenfalls frei bewegen, sie ist nicht gezwungen, sitzen zu bleiben. Ich halte sie dazu an, nicht mit ihrem Essen umherzulaufen und (natürlich) in unserer Nähe zu bleiben, achte drauf, dass sie weder Kellner noch Gäste stört, an keine anderen Tische geht, keine Stühle umherschiebt, oder was du dir sonst für Horrorszenarien eines VERzogenen Kindes vorstellen kannst. Sagte ein Kellner uns, dass unser Kind doch bitte am Tisch sitzen soll, oder rin Gast am Nachbartisch rümpft die Nase, würde ich das klar an meine Tochter weitergeben, ihren Frust begleiten – aber auch vom Kellner und den Gästen erwarten, die dann kaum vermeidbare Wut meines Kindes darüber hinzunehmen. Passiert ist das bisher aber tatsächlich noch nie.

Wenn wir auswärts unterwegs sind, sei es im öffentlichen Raum oder bei Bekannten, ist es für mich ganz selbstverständlich, dass dort Regeln gelten, die wir einhalten. Wo soziale Interaktion passiert entstehen Regeln. Darüber kann ich mich nicht hinwegsetzen. Will ich auch gar nicht. Es kommt darauf an, WIE wir unseren Kindern diese Regeln vermitteln. Ich verfalle nicht in Panik, wenn Zwergnase im Restaurant vom Tisch aufstehen will, vielleicht stört es niemanden? Und wenn doch, dann kann ich das meinem Kind erklären. Authentisch in einer konkreten Situation. 

Aber soll ich dir etwas verraten? Bisher ist Zwergnase sehr umgänglich in solchen Situationen. Bis auf wenige Ausnahmen. Angeeckt sind wir aber noch nie. Gelobt worden hingegen schon mehrfach, nämlich dafür, dass wir so entspannt mit unsere Tochter umgehen, denn ›das würde man ja heute kaum mehr erleben‹. DANKE.

Erzwungene Manieren: Vom Probieren Und Aufessen Müssen

Zuletzt möchte ich noch einen Punkt anreißen, den ich im nächsten Teil vertiefe: Ich lese oft in Elterngruppen davon, dass Eltern erwarten, dass ihr Kind ›mindestens probiert‹, besser noch dass ›es aufisst, wenigstens die halbe Portion‹. WARUM? Steckt dort wirklich die echte Angst hinter, das Kind könnte zu wenig Essen, einen Mangel leiden? In manchen Fällen mag die Sorge berechtigt sein, wenngleich ich nicht glaube, dass gerade dann ZWANG der richtige Weg ist. In vielen anderen Fällen ist es aber nur eine subtile Machtausübung.

Mein Kind braucht nichts probieren, was ihr Auge ablehnt, egal ob sie es noch überhaupt nicht kennt. Ich esse auch manche Dinge nicht, obwohl es heißt, sie seien lecker, aber schon der Anblick stößt mich ab.

Aufessen muss Zwergnase auch nicht, denn niemand außer ihr selber kann ihren Hunger richtig einschätzen. Ich finde es fatal, ein Kind zum Aufessen zu zwingen,  ihm auch nur einen Löffel mehr aufzuzwingen, als das Kind von sich auch essen WILL. Wenn du dein Kind lockst oder bedrohst, noch drei Happen dies und einen Löffel jenes zu essen, für die Oma oder für schönes Wetter, obwohl es verweigert, dann vermittelst du deinem Kind damit nur, dass sein eigenes Hungergefühl, sein e i g e n e s Empfinden seines e i g e n e n Bedürfnisses,FALSCH ist. Du bringst deinem Kind bei, sein Bedürfnis FÜR DICH, fürs Große uns Stark werden oder für den Sonnenschein am nächsten Tag, (regelmäßig) zu übergehen. Das eigene Körpergefühl schwindet dadurch, die Fähigkeit das eigene Bedürfnis abzuschätzen. Im schlimmsten Fall fördert solch ein Zwang aufzuessen, Essstörungen: Essen (oder nicht Essen) wird dann zum Mittel, UM etwas Drittes zu erreichen (Anderen Gefallen, Glücksgefühle evozieren, schön (parallel zu groß und stark) werden), anstatt zu Essen, um das eigene empfundenen Hungergefühl zu sättigen, genau in der Menge, die der Körper braucht.

Meine Tochter bekommt außerdem auch ihren Nachtisch, wenn sie nicht aufgegessen hat. Der Nachtisch, sofern einer vorgesehen, gehört nämlich zur Mahlzeit einfach dazu. Er ist kein Belohnungstool. Ich finde es falsch, Essen als Belohnung zu verwenden (mal davon abgesehen, dass ich Belohnungen generell abgeneigt bin). Essen, GERADE Süßigkeiten sollten mMn nicht in den Status von Belohnung, Bestärkung, Besonderheit erhoben werden, also ganz bewusst zu etwas gemacht werden, was Glücksmomente hervorruft. Später kann das dazu führen, das Süßes (unbewusst) zur Kompensation genommen wird, denn als Kind wurde ja erfahren, dass Süßes den Glückslevel steigen lässt.

Ich weiß nicht, warum es Eltern immer wieder wundert, dass ihr Kind den Pudding JETZT essen will, nach drei Bissen Kartoffeln, und nicht geduldig abwarten kann, wenn sie doch selbst den Nachtisch durch das Belohnen und Verbieten zu etwas Besonderem, Glückserfüllendem gemacht haben. Etwas nach dem das Kind sich verzehrt, worauf es ungeduldig hibbelt und gleichzeitig bangt, ja sich selbst Druck beim Hauptgang macht: ›Schaffe ich genug Kartoffeln, um den Pudding heute zu bekommen?‹ Zwergnase braucht sie darum keine Gedanken machen. Sie kann in Ruhe Essen, so viel wie sie eben Essen mag, und danach ihren Nachtisch löffeln. Und wenn sie manchmal lieber nur den Pudding essen mag? Dann ist das eben so.

Ich habe Vertrauen in meine Tochter, dass sie ihren Bedarf an Essen selbstständig decken kann, dass sie weiß, was ihr gut tut. Dazu gehört die Bereitschaft anerzogene Muster loszulassen. Das ist nicht immer einfach, aber es lohnt sich.

Ich fühle mich wohl damit, Essen in unserer Familie in einen verbundenen, verständnisvollen, freien Kontext zu betten, der meinem Kind Selbstständigkeit, Selbsterfahrung und positiven Freiraum vermittelt. Essen, als eines unserer Grundbedürfnisse, sollte mMn nicht in Zusammenhang mit Zwang, Angst und Erwartungen Dritter gebracht werden. Wir sollten unseren Kindern hier ermöglichen, sich selbst kennenzulernen und sich in vorgelebte Konventionen statt durch Strafe, Gebot und Verbot, ganz aus eigenem Antrieb und in eigenem Tempo hineinzufinden. Xx Fiona

 

Autor: unverbogenkindsein

Literaturstudentin, Mutter und Freigeist <3

2 Kommentare zu „Tischmanieren?! Warum Mein Kind Nicht Am Tisch Sitzen Bleiben Muss (Selbstbestimmt Essen Teil II)“

  1. Liebe Fiona,
    das liest sich überhaupt nicht chaotisch, sondern überaus harmonisch. Ich bin hier mit unserer Situation noch nicht so ganz zufrieden, was aber v.a. am Mann liegt, der es mehr so mit am Tisch sitzen und essen hat 😉
    Aber der Lütte ist auch keiner, der einfach so aufsteht und dann spielen geht. Sehr beeindruckend finde ich, dass Zwergnase das so handhabt. Niemals würde er alleine sich irgendwo beschäftigen, ich muss immer mit, deshalb komme ich selten zum Essen, das ist der andere Punkt, der mich tatsächlich, so ehrlich muss ich sein, stört.
    Ich hoffe, wir werden in Bälde da etwas ganz Neues für uns schaffen.
    Liebste Grüße
    Lea

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Lea,
      Ganz bestimmt findet ihr eine Lösung für euch. Manchmal braucht es Kreativität und Geduld, um verschiedene Bedürfnisse zusammenzubringen. Vielleicht könntet ihr ja ein paar Spielsachen an den Tisch holen? Dann könntest du essen und dein Kind spielen. Dass unsere Tochter sich schon gut mal alleine beschäftigt, ist da wirklich von Vorteil. Wobei ich auch manchmal mit muss, so ist es nicht.
      Liebe Grüße, Fiona

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