›Kinder Brauchen Grenzen‹ – Fünf Parolen Gegen Beziehungsorientierte Elternschaft Und Warum Sie Unsinn Sind


Wenn du dich entscheidest, dein Kind ohne Erziehung Aufwachsen zu lassen, dann wirst du selten mit Beifall und Jubelschreien aus deinem Umfeld rechnen können. Zumindest nicht von Seiten Erziehender. So jedenfalls ist meine Erfahrung, und nicht zuletzt auch die Erfahrung zahlreicher Gleichgesinnter, mit denen ich mich im Netz austausche. Unerzogenheit ist (noch) nicht so richtig akzeptiert. Es kommt mir manchmal vor, wie ein Leben am Seitenrand; ein erfahrungsgeballtes, sich stetig entfaltendes und spannendes Leben, aber eben keines, dass viele andere Eltern teilen mögen. Das ist eigentlich ziemlich schade, denn deswegen rede ich ungern darüber. Ich erwähne unsere Lebensart meistens überhaupt nicht, sondern lasse Situationen auf mich zukommen, ohne auf erzieherische Bemerkungen einzugehen. Früher oder später kommt es aber immer zu der einen Konfrontation, in welcher der Konsens der Erziehenden deutlich anders reagieren würde -und die ersten fragenden Blicke, skeptischen Stirnrunzler oder erzieherischen Ratschläge, lassen meist nicht lange auf sich warten. Irgendwo sitzt immer jemand, der den Kopf entrüstet schüttelt oder sich besser noch gleich lauthals in unsere Problemlösung einmischt. Manchmal fühlt es sich an wie ein Kampf gegen Windmühlen. Ja liebe Erziehende, es ist ermüdend, ein ums andere Mal dieselben Parolen beantworten zu müssen. Mit fünf davon möchte ich an dieser Stelle aufräumen

1)Kinder Brauchen Regeln Und Grenzen

Ein Kind, ein menschliches Individuum, BRAUCHT aus sich selbst heraus sicher keine Regeln oder Grenzen, und auch keine Manieren, Höflichkeit und Sitte. Echt nicht. In meinen Augen ist die Behauptung, Kinder brauchen Regeln, ja wollen Regeln und Grenzen erfahren, nichts anderes, als ein sich selbst gutredender Dogmatismus. Eine sich selbst auf die Schultern klopfende Rechtfertigung für Erziehung.

Wenn unsere Kinder auf die Welt kommen, als kleine schrumpelige Neugeborene, die ihre Finger nicht als Finger wahrnehmen und die Augen kaum öffnen, leben sie vollkommen bedürfnisgesteuert, die einzige Zeit ihres Lebens völlig befreit von gesellschaftlichen Einflüssen und Normen. Die Erfüllung jener Bedürfnisse, Schlaf, Nahrung, Wärme und Nähe ist für lange Zeit erstmal alles, was unsere Kinder benötigen. Irgendwann kommt der Drang nach Spiel und Entdeckung dazu, der natürliche Drang zu Lernen. Regeln und Grenzen entstehen im gesellschaftlichen Zusammenleben unumgehbar, wir treffen natürlicherweise auf sie an allen Ecken und Enden, wenn wir uns in dieser Welt bewegen. Was Kinder mit fortschreitendem Alter also wirklich BRAUCHEN, sind Mittel mit den bestehenden Regeln und Grenzen und ihren Emotionen darüber umzugehen.

Wir werden tagtäglich mit zahllosen Regeln und Grenzen konfrontiert. Dazu gehören natürliche Grenzen, etwa physikalische, körperliche oder psychisch bedingte Gesetzmäßigkeiten, ebenso wie gemachte Regelwerke, die unser soziales Zusammenleben strukturieren. Das betrifft uns genauso wie unsere Kinder. Ein Eis, das in der Sonne schmilzt, wird nicht wieder gefrieren, wenn mein Kind weint. Solange Zwergnase es nicht schafft, sich an den Seilen des Klettergerüstes hochzuziehen und festzuhalten, wird sie den älteren Kindern nicht hinterher klettern können. Wir gehen erst über die Straße, wenn die Ampel grün ist. Der Bus bleibt nicht stehen, wenn Zwergnase ihm hinterherruft, selbst wenn der Busfahrer sie wahrnimmt. Das Spielzeug müssen wir bezahlen, damit wir es mit nach Hause nehmen können, was nicht geht, wenn Mama und Papa kein Geld dafür übrig haben. Und Uroma fühlt sich nicht wohl damit, wenn wir auf ihrer Couch hüpfen.

Es ist also grundlegend FALSCH, anzunehmen, dass ein beziehungsorientiert Aufwachsendens Kind regellos und grenzenlos dasteht.

Regeln des sozialen Zusammenlebens, natürliche und persönliche Grenzen EXISTIEREN nunmal, darüber kann ich mich als Mutter nicht hinwegsetzen. Ein unerzogenes Kind erlebt Frust und Einschränkungen genauso, wie jedes andere Kind, jeder andere Mensch auch. Zwergnase kann nicht losgelöst von jeglichen gesellschaftlichen und natürlichen Gesetzmäßigkeiten tun und lassen, was sie will. Darum geht es auch gar nicht, sondern um den Verzicht auf Willkür und Machtmissbrauch. Als Mutter die ohnehin bestehenden sozialen und natürlichen Regeln und Grenzen um weitere gemachte Regeln zu ergänzen, die überhaupt nicht notwendig sind, weil niemand zu Schaden kommen und niemanden es stört (der sich daran zu stören hätte), hat keine andere Bewandtnis, als das Ausspielen von Macht und struktureller Gewalt! Du darfst nicht, weil ich das sage. – HIER setzt Beziehungsorientiertheit an, und fragt nach: WARUM? Wir richten den Blick nach Innen auf anerzogene Glaubenssätze, die uns dazu verleiten willkürliche Erziehung als natürliche Grenzen und soziale relevante Regeln zu betrachten.

Ein simples Beispiel vom örtlichen Spielplatz.

Zwergnase hat mit Sand geworfen. Sie hat den Sand genommen und mit unterschiedlich viel Schwung von sich weg zurück in den Sandkasten geworfen. Ziemlich banal, aber wahnsinnig spannend anzuschauen, wie der Sand durch die Finger rieselt und in der Luft verweht. Das Kopfschütteln der ersten Eltern ließ nicht lange auf sich warten (Und manchmal, liebe Erziehende, ist es wirklich anstrengend über eure verurteilenden Blicke hinwegzuschauen). Schließlich hörte ich hinter mir ein lautes ›Das macht man nicht. Bringen Sie ihrem Kind das mal bei. Das nennt sich Erziehung‹ quer über den Spielplatz rufen. Ich lächelte beiläufig, müde davon mich zu erklären und widmete mich lieber weiter meinem Kind, anstatt darauf einzugehen. Natürlich hätte ich SOFORT eingegriffen und begleitet, hätte Zwergnase Sand auf ein anderes Kind oder die umstehenden Familien geworfen, aber sie stand friedlich fröhlich alleine dort am Rand des Sandkastens und warf sich den Sand vor die eigenen Füße. Es gibt keine Regel, die besagt ›Wirf keinen Sand vor deine eigenen Füße‹. Genaugenommen ist es gar nicht der geworfene Sand, der Eltern massenweise in Aufruhe bringt. Es ist die Befürchtung, dass das Kind als Nächstes auf andere Kinder werfen könnte. Das tun Kinder schließlich, das wurde uns selbst von Klein auf durch unsere eigene Erziehung nahe gelegt. Rücksichtnahme gegenüber dem Anderen, hier Rücksichtnahme auf andere spielende Kinder, ist ein großgeschriebener Wert im sozialen Zusammenleben, den ich Zwergnase natürliche Nahe bringe, aber eben dann, wenn wir mit anderen Kindern spielen, und sie versucht ist, Sand in deren Richtung zu werfen.

Ein Hypothetisches ›das macht man nicht‹, um durch dieses Verbot die Rücksichtnahme zu schulen, ist völlig unsinnig und nichts anderes als ein Missbrauch der elterlichen Machtposition -Du machst das, weil ich das sage, obwohl es gerade JETZT keinen relevanten Grund dafür gibt.

2)Dein Kind Tanzt Dir Irgendwann Noch Auf Der Nase Herum!

Der Klassiker. Meine Lieblingsantwort darauf ›Hauptsache Zwergnase tanzt!‹

Die Annahme, dass mein Kind durch das Fehlen von Erziehung beizeiten nicht auf mich hören wird, geht von dem erzieherischen Glaubenssatz aus, dass ein Kind überhaupt hören muss. Mal abgesehen von Situationen, in denen die Verantwortung für Sicherheit, Gesundheit und Eigentum Dritter bei mir liegt, MUSS mein Kind das aber tatsächlich nicht.

So eigenartig das für dich vielleicht klingen mag, aber mir ist es überhaupt nicht wichtig, dass mein Kind auf mich hört, im Sinne von hörig ist, Befehle befolgt und blind meine Anweisungen umsetzt. Ich möchte ein Kind, dass hinterfragt, dass seine eigenen Bedürfnisse abwägt und mir sagt, wenn es etwas nicht möchte. Mein Kind soll sich in unser Familienleben integrieren, so wie es ist. Mit seinem eigenen Willen, seinen Vorlieben und Abneigungen, seiner Neugier und seinem Frust. Es soll gehört und gesehen werden, nicht übergangen und befehligt.

Natürlich ist das anstrengend. Und ja natürlich habe ich die Hoffnung im Hinterkopf, dass die Empathie, die wir Zwergnase entgegenbringen, Empathie ihrerseits zurückgibt. Aber wenn nicht, dann ist das erstmal einfach so. Dann werden wir vermutlich streiten, wenn Bedürfnisse kollidieren, aber diese Auseinandersetzungen sind dann gleichberechtigt, auf Augenhöhe und eben nicht geprägt von Strafe, Schimpfe, Gewalt und Machtmissbrauch. Manchmal wird mein Kind seinen Willen bekommen, und manchmal werden unsere elterlichen Bedürfnisse eben doch überwiegen. Wir werden versuchen zu Unden und Kompromisse zu finden, aber manchmal werden Tränen fließen. Alles das gehört dazu.

Nicht zu erziehen bedeutet kein Familienalltag in ständiger Harmonie, mit Glitzerkonfetti und Zuckerwatte, weil das Kind ausnahmslos seinen Willen bekommt. Wir leben hier gleichberechtigt. Wir leben ohne Erziehung als Familie. Ich gebe meinem Kind nicht das Zepter in die Hand. Es gibt überhaupt gar kein Zepter bei uns.  -Genau das ist es doch, was viele Erziehende fälschlicherweise glauben, wenn sie von nicht Erziehung hören: Das Kind hat das Sagen. Das ist aber Unsinn, und das Vorurteil, solch ein Kind werde zum rücksichtslosen, narzisstischen Nasentänzer, also völlig aus der Luft gegriffen.

Erziehung ist übrigens auch kein Patentrezept.

Um beim Spielplatz Beispiel zu bleiben: Während die anderen Eltern mich kritisch beäugen, und ihren eigenen sandwerfenden Sprößlingen unter Tränen und Kreischen erst die Schaufel abnehmen, dann den Sand aus den Fingern schütteln und schließlich nach Hause gehen, weil es immer noch nicht geholfen hat, frage ich mich, ob sie wirklich glauben, niemals Gefahr zu laufen, ihre eigenen Kinder könnten ihnen irgendwann einmal auf der Nase herumtanzen. Spätestens in der Pubertät. Die wenigsten Kinder sind immer brav und pfleglich, unabhängig davon, wie streng, milde oder gar nicht sie erzogen werden. Kinder wollen tanzen. Macht laute Mucke an, kauft ihnen schicke Tanzschuhe und ab dafür. Tanzt doch einfach mit!

3)Das Muss Dein Kind JETZT Lernen

Jetzt. Oder wenigstens noch vor dem zweiten Geburtstag -aber das wird ja nie was, wenn du JETZT nicht damit anfängst, es deinem Kind aktiv beizubringen. Es gibt etliche solcher Dinge, die Kinder nach Meinung Dritter genau JETZT lernen müssen. Oft mit dem Zusatz ›Da muss das Kind halt durch‹, falls es unangenehm wird.

Alleine im eignen Zimmer Schlafen  zum Beispiel, am besten von Geburt an, allerspätestens aber im zweiten Lebensjahr, denn sonst wird dein Kind voraussichtlich noch mit Achtzehn bei dir unter der Decke eingekuschelt liegen. Dass dein Kind jemals auszieht ist dann auch unmöglich. Oder Essen mit Besteck und ordentlich Sitzen bleiben am Tisch, sonst wird das Geschäftsessen mit den Arbeitskollegen in zwanzig Jahren so richtig peinlich. Auch beliebt sind hier Höflichkeitsfloskeln, Bitten, Danken, Winken und Teilen. Alles das soll Zwergnase nach Meinung der Mehrheit am besten sofort und alles auf einmal lernen, dabei ist sie gerade schon fleißig damit beschäftigt, ihr Gleichgewicht beim Balancieren zu halten, die Treppen ohne Hilfe rauf und runter zu gehen, zu sprechen und das verflixte Holzpuzzle mit den vielen bunten Teilen korrekt zusammenzusetzen. Ohne meine aktive Anleitung, sondern völlig aus sich selbst heraus, weil sie es lernen WILL.

Der Mensch ist ein wahnsinnig lernwilliges Lebewesen. Wir können gar nicht, ohne zu lernen. Wir beobachten, nehmen wahr, ahmen nach. Aus diesem Antrieb heraus lernt ein neugeborenes bis zu seinem zweiten Geburtstag so wahnsinnig viel, dass aus dem hilflosen Geschöpf eine eigenständige kleine Person wird. Ich bin überzeugt davon, dass ein Kind ebenso aus eigenem Antrieb, durch das Beobachten seiner Umwelt und den permanenten sozialen Umgang (Vorleben ist hier das Stichwort!), lernt mit Besteck zu essen und Konventionen umzusetzen.

Meine Tochter ist gerade in dieser Phase, in der sie alles penibel nachahmt.

Sie wirft Müll vorbildlich in den Mülleimer; auch draußen sammelt sie Müll auf und sucht den nächsten Mülleimer (was uns ironischerweise schon oft mit einem ›So gut erzogen das Kind‹ quittiert wurde). Sie macht das von sich aus. Sie verabschiedet sich auch von den Enten und der Rutsche. Sie verlangt nach ihrer Gabel, sonst isst sie ihre Melone nicht (obwohl sie ausdrücklich mit den Fingern essen dürfte), und zum Frühstück, will sie das Toast selber mit der Margarine bestreichen. Aus dem Becher trinken, klappt hingegen nur bedingt, also benutzen wir weiterhin diverse Lernbecher. Und wenn der Hunger groß ist, dann wandern die Nudeln mit den Händen direkt in den Mund. Wenn dein Kind mit zwei Jahren lieber mit den Händen das Essen erkundet, dann ist das eben voll okay. Mal ganz davon abgesehen, dass Essen mit den Händen eine unglaublich sinnliche Erfahrung ist und überhaupt nicht abstoßend, sondern eben ganz natürlich, lernt es vermutlich gerade ganz andere Dinge. Unsere Kinder lernen IMMER. Jeden einzelnen Tag kommen neue Eindrücke, neue Erfahrungen, neue Erkenntnisse oder Fertigkeiten dazu. Das dürfen wir einfach nicht vergessen, wenn wir wieder erwarten, dass sie etwas GANZ BESTIMMTES lernen sollen. Hüpfen und malen lernen, sind vielleicht gerade viel interessanter als Messer und Gabel. Wir haben überhaupt nicht das Recht diese Prioritäten anders zu setzen, finde ich.

Was das alleine Schlafen angeht, da vertrete ich die Meinung, dass es hier überhaupt nichts zu lernen gibt! Das Bedürfnis nach Nähe ist ein ganz Natürliches und es ist bei jedem Menschen unterschiedlich stark ausgeprägt. Meine Tochter schläft tatsächlich überwiegend alleine, aber sie schläft auch gerne bei uns und wir genießen die gemeinsamen Nächte sehr. Hätten wir mehr Platz würde ich gerne ein richtiges Familienbett zimmern und jede Nacht gemeinsam schlafen, solange bis meine Tochter genug davon hat. – Ich denke, die wenigsten Kinder werden in der Pubertät noch bei Mama und Papa schlafen wollen. Warum also die Angst, es könnte immer so bleiben? Wir wissen alle, dass das eigentlich Unsinn ist. Woher kommt der Glaubenssatz ›Das Kind muss im eigenen Zimmer schlafen‹? Warum interessieren wir uns dafür, was ANDERE denken, wenn unser Kind bei uns im Bett schläft. Warum vergleichen wir die Schlafsituation überhaupt?

Lass los. Genieß das Kuscheln mit deinem Baby, Kleinkind und Schulkind. Irgendwann sind sie groß.

Und wenn du wirklich nachts deine Ruhe haben willst? Dann ist das auch okay. Aber dann kommuniziere es so. Dann begleite dein Kind liebevoll in den Schlaf im eigenen Bett, aber rede deinem Kind und dir selbst (!) nicht ein, ›das muss es lernen‹. Muss es nicht. Es ist DEIN Bedürfnis, für das DU hier verantwortungsvoll in die Bresche springst, was du auch darfst und sollst, aber lüg dich nicht an und versteck dein Bedürfnis nach Ruhe hinter einem unzureichenden Dogma.

4)Diese Unerzogenen Sind Doch Nur Faul

Ein wahnsinnig anmaßendes Vorurteil, wie ich finde, das eigentlich auch nur zeigt, dass sich mit der Haltung überhaupt nicht auseinandergesetzt wurde. Nicht zu erziehen ist nicht weniger anstrengend als Erziehung. Ich wage sogar, zu behaupten, dass es in vielen Situationen kraftraubender ist. Nämlich immer dann, wenn der Erziehende einen Punkt setzt, Bestraft, Schimpft. Aber auch das ist am Ende des Tages nur eine Vermutung. Eine Schussfolgerung, die ich niemals verifizieren kann.

Wenn Zwergnase vom Spielplatz noch nicht mit nach Hause will, dann lasse ich sie noch mal rutschen, und noch mal, und noch mal. Das ist keine total entspannte Situation, ich würde lügen, wenn ich das behaupte, auch wenn es nach außen vielleicht so aussieht. Ich schaue dabei auf die Uhr und kalkuliere. Ich erkläre meinem Kind, warum ICH gehen will, überlege mir eine elegante Lösung, mache Vorschläge und biete Alternativen für den Heimweg, während die erziehende Mama neben mir, sich ihr Kind einfach nimmt, es unter Protest in den Buggy schnallt und mit dem weinenden Kind geht. Sicher braucht die erziehende Mama in diesem Moment ebenfalls starke Nerven, aber manchmal schaue ich ihr etwas wehmütig hinterher. So einfach könnte das ablaufen. Ich könnte mein Kind nehmen, meine Macht ausüben und wäre schon vor einer halben Stunde zuhause gewesen. Aber die Frage ist halt zu welchem Preis.

Ich gehe also weiter unseren erziehungsfreien Weg und wundere mich ehrlich über die Perspektive der Erziehenden, die meine Mühe und Kreativität, meine Geduld, meine ständigen Reflexionen und das Überdenken von anerzogenen Mustern mit einem ›die macht es sich leicht, die ist zu faul ihr Kind zu erziehen‹ belächeln. Aus meinem Blickwinkel eine völlig verdrehte Aussage.

So unterschiedlich können Wahrnehmungen sein.

Vielleicht liegt es auch einfach in der Natur des Menschen, den Weg des anderen als den weniger anstrengenden zu betrachten. Wir kennen nur die Steine, die auf unserem eigenen Weg liegen, und auch nur das Gewicht unseres eigenen Rucksacks. Niemals die Strapazen des Anderen.

Ein anderes Beispiel. Eine Mama berichtete mir, ihr wurde einmal vorgeworfen, zu faul zu sein, um ihr Kind anständig zu füttern, als sie ihrer sieben Monate alte Tochter auf Wunsch den Löffel in die Hand gab, anstatt sie konsequent weiterzufüttern oder die Mahlzeit zu beenden. Statt ihr Kind zu übergehen, hat sie in Kauf genommen nach der Mahlzeit Kind, Boden, Tisch und Stuhl grundreinigen zu müssen, dafür war ihr Kind glücklich und konnte selbstbestimmt erste Annäherung an ihr Essen machen. Ich sehe darin nichts Schlechtes. Und erst Recht sehe ich keine Faulheit. Einem Kind seinen Willen zu gewähren, scheint per se mit Faulheit in Verbindung gebracht zu werden. Warum? Offenbar – und das ist Erziehenden wohl durchaus bewusst – ist es eben doch gar nicht so einfach und mit einiger Mühe verbunden, den Willen eines Kindes (nachhaltig) zu brechen.

Im Umkehrschluss zu glauben das Leben wäre einfach, wenn ich nicht erziehe, geht wieder mit der ganz falschen Vorstellung einher, dass das Kind einfach alles tun und lassen könne und niemand dafür gerade steht.

Ich empfinde den Verzicht auf Erziehung jeden Tag als Herausforderung.

In erster Linie passiert hier sehr viel Arbeit an sich selbst. Hinterfragen, reflektieren, anerzogene Überzeugungen loslassen (was echt anstrengend sein kann!). Unerzogene können mMn vieles sein, aber nicht faul im Hinblick auf den Umgang mit ihren Kindern. Es bedeutet viel Kraft und Schweiß, Muster loszulassen und eigene Wege zu finden. Wege, die wir selber pflastern müssen, ohne einem vorgezeichneten Trampelpfad zu folgen, ohne einschlägige Ratgeber und ohne Methoden, wie sie alle anderen auch anwenden und abspielen würden.

5)Und Wie Soll Das Werden, Wenn Dein Kind Zur Schule Geht?

Ich stelle mir die Schulzeit meiner Tochter in etwa so vor: Zwergnase wird dasitzen, Neues lernen, sich auch mal langweilen und darüber ärgern, dass der Lehrer schon wieder viel zu viele Hausaufgaben aufgibt. In den Pausen wird sie toben, im Unterricht mit dem Sitznachbarn Zettelchen tauschen. Wenn es zum Schulschluss klingelt, wird sie die Hefte in sekundeneile eingepackt haben und sich am Nachmittag mit ihren Schulkameraden verabreden. Manchmal wird sie die Hausaufgaben nicht machen und es wird sicher der Tag kommen, an dem sie mir erzählt, sie habe Bauchschmerzen, um Ausschlafen zu können. In manchen Fächern wird sie ihre Stärken haben und in anderen Nachhilfe brauchen. Ungefähr genauso, wie erzogene Kinder auch.

Der Blick in die Zukunft, vor allem die Sorge um die Angepasstheit, um die Umgänglichkeit und Leistung des zukünftigen Schulkindes, ist beim unerzogenen Kind genauso hypothetisch wie beim erzogenen Kind auch. Wer versichert dir denn, dass dein erzogenes Kind seine Hausaufgaben brav machen wird und im Unterricht vorbildlich aufzeigt? Woher willst du wissen, dass ein nicht erzogenes Kind, das nicht tun wird?

Kinder leben nicht in Seifenblasen. Unser erziehungsfreier Alltag findet nicht abgeschottet von äußeren Einflüssen statt.

Wir leben unserem Kind auf natürliche Weise vor, dass wir nicht dazwischen sprechen, wenn jemand anderes gerade etwas erzählt. Natürlich bitte ich sie zu warten. Das kommt im Alltag einfach vor. Sie sieht, dass Papa jeden Morgen pünktlich aufstehen und los zur Arbeit muss. Falls du es noch nicht wusstest: Ich bin Studentin, lese Bücher aus der Bibliothek, mache Hausaufgaben und lerne für Prüfungen. Nichts davon ist unserem Kind also fremd. Auch ohne den Studentenanteil, wie er bei uns gegeben ist, erlebt ein erziehungsfreies Kind im Familienleben, dass es Verpflichtungen gibt. Spielregeln, an die wir uns halten, weil unser Zusammenleben nur auf diese Weise funktionieren kann.

Mein Kind sieht Schulkinder und wird vor ihrem eignen Schulantritt wissen, was Schule bedeutet. Sie wird nicht in ein unbekanntes schwarzes Loch geworfen, in dem plötzlich Erziehung herrscht, Regeln und Forderungen, von denen sie in ihrem Leben noch nie etwas mitbekommen hätte. In Unterhaltungen mit anderen Eltern habe ich manchmal das Gefühl, dass etliche Erziehende tatsächlich annehmen, dass beziehungsorientierte Familien ihre Kinder von der Welt abschotten. Das ist Unsinn. Und obendrein ist das nahezu Unmöglich. Zwergnase bekommt mit, wie andere Kinder auf dem Spielplatz geschimpft  und mit Strafen bedroht werden. Sie sieht, wie das Kind neben uns unter Protest von der Rutsche weggezogen wird. Noch schaut sie nur fragend, und ich kommentiere die Situationen knapp, lenke ihre Aufmerksamkeit um. Wenn sie älter wird, wird sie nachfragen, und wir werden darüber reden. Ihre Freunde werden sicher nicht alles unerzogene Kinder sein, und viele derer Eltern, auch die Eltern der Schulkameraden, werden vermutlich gar nicht wissen, dass Zwergnase unerzogen aufwächst. Ich erwähne das schließlich nicht beim ersten Begrüßungshandschlag, und du siehst es meinem Kind auch nicht einfach an. Tatsache ist: Es ist unmöglich unsere Kinder von jeglichen äußeren, eben auch erzieherischen Einflüssen fernzuhalten. Mit dem Schuleintritt, der an Regeln und Verpflichtungen gebunden ist, wird meine Tochter kein unbekanntes Terrain betreten. Jedenfalls nicht unbekannter, als für erzogene Kinder auch.

Wie die Zukunft aussehen wird, dass weiß wirklich keiner. Es ist unheimlich spekulativ, zu glauben, dass ein auf die ein oder andere Weise erzogenes oder eben nicht erzogenes Kind besondere Vor- oder Nachteile in der Schule, an der Uni oder auf der Arbeit haben und sich so und so benehmen wird. Ob mein Kind der Klassenclown sein wird, oder doch deines, das werden wir erst wissen, wenn unsere Kinder gemeinsam eine Klasse besuchen, und wir beide beim Elternabend sitzen. —

Fünf Parolen gegen Erziehungsverzicht, die ich und viele Andere schon mehr als einmal gehört haben.

Es ist ehrlich ermüdend, darauf zu antworten, denn oft zeigt leider bereits der Vorwurf, dass sich vom Gegenüber überhaupt nie mit der unerzogen Haltung auseinandergesetzt wurde. Beziehungsorientierte Elternschaft ist eine innere Haltung, keine Methode und hat auch nichts (!) mit antiautoritärer Erziehung zu tun. Es geht nicht darum, Kinder machen zu lassen, sondern darum gleichermaßen auf den Nachwuchs UND das eigene innere Kind zu schauen, anerzogene Glaubenssätze zu hinterfragen und einen Weg zu gehen, auf dem nicht mehr willkürliche Muster abgespielt, sondern nur noch eigene Werte verfolgt werden. Ein Weg, der es unseren Kindern ermöglicht, sie selbst zu sein und zu bleiben, anstatt erzieherisch geformt zu werden.

Ich bitte euch, lest euch ein, wenn ihr euch zu unerzogen äußern wollt, oder fragt doch einfach mal nach. Offen. Ohne diese schrecklichen Vorurteile. Schon das würde unsere Welt etwas besser machen. Findest du nicht auch? Xx Fiona

Autor: unverbogenkindsein

Literaturstudentin, Mutter und Freigeist <3

21 Kommentare zu „›Kinder Brauchen Grenzen‹ – Fünf Parolen Gegen Beziehungsorientierte Elternschaft Und Warum Sie Unsinn Sind“

  1. Ich denke, das wichtigste ist, das wir unsere Kinder so erziehen, dass sie keine Angst vor uns Eltern haben! Ein liebevolles, verständnisvolles Miteinander ist für uns das Wichtigste.

    Gefällt mir

  2. Ich würde oftmals gerne weniger erziehen, aber gerade mit Kind 2 ist der unterzogen Umgang mit Kind 1 oft sehr schwierig. Zb wenn ich nach Hause will um Kind 2 zu stillen. Draußen ist mir um diese Jahreszeit zu kalt. Außerdem wickeln wir gerade wegen Wunde Polizei bis zu 3x zwischen den Stillmahlzeiten.
    Oder das Bedürfnis abends abwechseln im 5min Takt Mama oder Papa zu brauchen um einzuschlafen. Nur ist meist der andere dabei Kind 2 zum Einschlafen zu begleiten. Und wenn mal einer abends weg muss dann sind Wutanfälle vorprogrammiert.
    Deshalb kommt mir derzeit oft der Gedanke. Mehr Erziehung würde es gerade einfacher für Geschwisterchen und uns Eltern machen.

    Gefällt mir

  3. kurzer Nachtrag: durch die Vermutung des Papas komme ich natürlich auch in’s Grübeln ob ich zu locker bin. Und wenn dann doch was passiert…Marius ist übrigens 1 J. und 5 Monate und sehr sportlich 😀

    Gefällt mir

  4. Kannst du vielleicht Literatur empfehlen? Mir fällt es besonders bei „gefährlichen“ Situationen schwer von Erziehung wegzugehen…Beispiel: Papa von meinem Sohn sieht ihn auf eine offene Truhe klettern, am Bett festhaltend. Papa fordert Kind auf dort runterzukommen, sonst würde er sich weh tun… Ein Knoten entwickelt sich in meinem Hals, denn ich denke durch eine Prophezeiung und die Unsicherheit des Papas kann es überhaupt erst noch eher zu einem Abrutschen kommen und ich finde es auch unangenehm, dem Kind nicht zuzutrauen, dass es sich festhält ohne ab der Kante der Truhe abzurutschen. Wie würdest du mit der Situation umgehen und wie kann ich unterschiedliche Meinungen gut zusammenbringen? Habe meinem Sohn kurz erklärt, dass er auch gerne mit dem Ball spielen kann und der Papa kein gutes Gefühl dabei hat ihn auf der Truhe rumhampeln zu sehen. Allerdings habe ich vorab zu seinem Papa geäußert: „Du schränkst ihn ein. Du ziehst ihm eine Grenze.“ Natürlich auch nicht nett… Wie kommuniziere ich vor meinem Kind bei unterschiedlichen Meinungen? Oder tue ich das gar nicht und spreche ohne seinem Beisein über die Situation? Und noch ein Anliegen: Marius bedrängt oft unseren Hund, zieht auch an den Ohren und Lefzen zum Beispiel, ebenso die Beinchen sind interessant obwohl wir es nicht vorleben. Egal wie oft ich ihm erkläre, dass der Hund das nicht mag und ich es nicht möchte und egal, dass er schon von ihr gebissen wurde…manchmal hört er einfach nicht auf, auch nicht mit Ablenkung und ich habe Angst, dass es wieder dazu kommen könnte.
    Vielen Dank im Voraus und Danke für dein Engagement

    Gefällt mir

    1. Hallo Jessica
      Bei echten Gefahrensituationen, also zb einer befahrenen Straße, greife ich sofort ein. Dort geht Schutz vor. In potenziellen Gefahrensituationen bleibe ich in Bereitschaft, schaue genau hin, greife ein, wenn es mir zu heikel wird. In der konkreten ‚Truhe‘ Situation, hätte ich mich so zum Kind gestellt, dass ich es abfangen kann, sollte es fallen. Hätte es aber klettern/erkunden lassen (sofern natürlich nichts weiteres neben der Angst des Sturzes dagegen spricht). Ich hätte wohl sowas gesagt wie ‚vorsichtig‘, aber wäre ansonsten eben nur in Eingriffshaltung bei echter Gefahr geblieben. Beim eventuellen Abrutschen halten und dem Kind erklären ’schau, das ist gefährlich‘, umlenken auf andere Beschäftigung, oder das Kind unterstützen ‚es is mir lieber, ich halte dich fest, wenn du dort rauf klettern willst‘. – was die unterschiedlichen Meinungen zwischen den Eltern angeht: ich bin der Meinung, wenn wir authentisch sein wollen, dann gehört es auch dazu, dass das Kind merkt, dass wir unterschiedliche Meinungen haben und das ist auch okay. Heißt ja nicht, dass gleich gestritten werden muss. Aber ich sage meinem Mann auch, wenn ich eine andere Lösung sehe. Das ist mMn voll okay. Könnt ihr natürlich auch hinterher unter vier Augen klären. IHR müsst euch wohlfühlen damit. ICH finde ‚hinterher besprechen‘ zu abstrakt für die eigene Wahrnehmung, zu spät für gute Umsetzung, zu unauthentisch in der konkreten Situation von mindestens einem Elternteil – aber das ist MEIN empfinden. – zum Hund: Das Tier schützen! Euer Kind findet den Hund natürlich total interessant. Der sieht ja ganz anders aus, hat kuscheliges Fell und warum läuft der auf vier Beinen? Völlig verständlich der Forscherdrang, aber das Tier braucht euren Schutz. Ich würde hier nichtmals zu Ablenkung greifen, in dem Sinne, um das Kind aus der Situation raus zu führen. ich würde hier dem Kind ein klares Stop setzen und ggf. Frust begleiten. Wir haben auch einen Hund in der Familie. ‚Bedrängt‘ meine Tochter ihn, hole ich sie vom Hund weg, erkläre ihr, dass der Hund das nicht will, dass der Hund seine Ruhe haben mag, dem Hund das weh tut. Immer wieder. Erst danach lenke ich auf Beschäftigungen um. Das ‚Stop‘ signalisiere ich an dieser Stelle aber ganz klar. – Literatur: Ich kann dir sehr die Blogs ‚unerzogen leben‘, ‚herzensglückskind‘ und ‚das gewünschteste Wunschkind‘ ans Herz legen. Letzterer hat auch ein Buch veröffentlicht. Außerdem ist Jesper Juul lesenswert, da bin ich aber selber noch nicht eingelesen.
      liebe Grüße, Fiona

      Gefällt mir

  5. Entschuldige, aber diese Sicht ist wirklich sehr einseitig. Ich denke, du hast eine noch sehr junge Tochter, deren Handlungen an sich noch eingeschränkt sind.
    Ich finde es schön, wenn man vom Kinde aus denkt. Dennoch kenne ich als Kindergärtnerin die Folgen einer zu freien Erziehung. Diese Kinder sind nicht in der Lage zuzuschauen und zurückzustecken. Sie sind es gewöhnt, dann das zu tun was sie wollen wenn sie Lust haben.
    Wir müssen einfach akzeptieren, dass wir in einer Gesellschaft Leben und uns hier einordnen und zum Teil unterordnen. Wir profitieren ja auch von den Vorteilen. Ich denke, eine solche Erziehung geht zu Lasten anderer Familien, vor allem Kindern. Ein solches Leben kann man als Aussteiger anstreben, dann ist man kein Teil der Gesellschaft.
    Ganz konkret: wie stellst du dir eine Kindergartengruppe mit ca 20 Kindern vor, die alle alles ausprobieren wollen ohne dabei gestört zu werden?
    Dein Kind wird es mühsam erlernen müssen sich einzugliedern. Ob du ihr damit einen Gefallen tust? Auf mich wirkt es, als würdest du deine Erziehungsaufgabe an andere abschieben.
    Mit freundlichen Grüsse
    Christine

    Gefällt mir

    1. Danke für deine ehrlichen Worte. Ich teile deine Bedenken nicht. – Eine Gruppe mit Kindern, die alles ausprobieren wollen (und das wollen Kinder immer, egal ob erzogen oder nicht – die Frage ist, ob sie es dürfen. Niemand sagt, dass mein Kind im Kindergarten, wenn es denn in den Kindergarten geht, keine Regeln befolgen würde. Mein Kind rennt auch nicht auf die Straße und ein ‚da fahren Autos, warte‘ reicht völlig aus.) stelle ich mir lebhaft, wunderbar und sicher auch anstrengend vor. Soziale Eingliederung passiert durch Nachahmung, Beobachtung, Lernen und Spiel. Erziehung ist dazu nicht notwendig. Erziehung ist Gewalt, nimmt Individualität, formt ungerechtfertigt und schadet. Erzieherischer ‚Erfolg‘ sind verängstigte, verbitterte, resignierte Kinder. Es geht auch ohne. Es geht anders. Der Verzicht von Erziehung bedeutet den Verzicht auf Gewalt, nicht auf Verantwortung, Begleitung, Kommunikation. Lies dich, wenn du magst, gerne näher ein. Aus diesem Blickwinkel bin ICH davon überzeugt, meinem Kind einen Gefallen zu tun. Diese Haltung muss aber natürlich niemand folgen, der diese nicht leben mag ❤

      Gefällt 1 Person

  6. Hallo! Interessant…
    Eine Frage habe ich dazu, wie lange wartest du dann auf dem Spielplatz bis ihr nach Hause geht?
    Ich denke, ich bin irgendwo in der Mitte, was meine Erziehungsansätze angeht. Es ist spannend andere Blickwinkel zu sehen.
    Ich würde deinen „Stil“ nicht Unerzogen nennen. Ich denke, es ist genau dieses Wort, was viele in die Angriffposition bringt. „Es ist ja unerhört, dass Kinder nicht erzogen werden“.
    Ihr erzieht es ja doch in gewissem Sinne nach eurem Vorbild.:-)
    Grüße

    Gefällt mir

    1. Hallo Valentina,
      Wie lange wir noch auf dem Spielplatz bleiben kommt ganz darauf an, ob wir zB einen Termin haben, ich noch Essen machen muss oder geschmierte Brote in der Tasche habe. Eine Zeit kann ich dir nicht nennen. Manchmal kommt sie nach zweimal Rutschen mit, manchmal entscheiden wir spontan, dass Papa Pommes holt und wir noch auf der Wiese picknicken. Bisher kam es erst einmal vor, dass ich den Spielplatzbesuch ohne ihre Zustimmung abbrechen musste.
      Zu deinem anderen Punkt. Es ist zuweilen tatsächlich eine Aufhängung an Begriffen. Unerzogen richtet sich gegen einen eindeutig definierten Erziehungsbegriff. Das führt oft zu Missverständnissen und Unmut. Deswegen nenne ich es eigentlich auch lieber Beziehungsorientierung.
      Viele Grüße, Fiona

      Gefällt mir

  7. Hallo,
    Für mich nicht nachvollziehbar. Hier werden Dinge vermischt und wieder nur sehr einseitig dargestellt. Was haben Erziehung und kindliche Selbsterfahrung mit einander zu tun? Ja bei uns gibt es Regeln und wenn die Zeit auf dem Spielplatz abgelaufen ist, geht es nach Hause. Natürlich kündige ich das vorher mehrmals an, damit Spiele abgeschlossen werden können. Und ja mein Kind durfte mit den Händen essen, es darf auch Sand und Steine schmeißen, wenn keiner beworfen wird. Dennoch erziehe ich. Ich habe genug Bekannte, welche so frei erzogen wurden….. wie soll ich sagen: Es sind Erwachsene die sich permanent in den Mittelpunkt stellen bzw. Welche es sehr schwer haben Kompromisse einzugehen. Interessant war für mich auch, dass diese Erwachsenen selber eher streng erziehen. Sie fanden das Fehlen von Grenzen in ihrer Kinderheit als sehr unangenehm. Die Eltern vermittelten wohl ein permanentes Gefühl des „Egalsein“. Vor allem in Tenniealter.
    Die Mischung macht es. Ich halte überhaupt nichts von diesen starren erziehungsgebilden. Ach ja, meine Kinder sin 6 und 9 Jahre. Und wir haben immernoch eine Matratze frei in unserem Bett und die Kinder dürfen selbstverständlich nachts zu uns, wenn sie das Bedürfnis haben.

    Gefällt mir

    1. Danke für deine Rückmeldung.
      Klingt für mich nach Bedürfnisorientierter Erziehung. Toll, dass ihr damit euren Weg gefunden habt. 🙂
      Unerzogen richtet sich gegen einen klar definierten Erziehungsbegriff. Das ist schwierig nachvollziehbar, gerade wenn du selber die Haltung nicht hast. Das weiß ich. Und das ist auch voll okay.
      Mir geht es ja nicht darum, die Welt zu bekehren. Es gibt viele Wege und wichtig ist nur, dass es unsere Kinder gut haben.
      Ich möchte eigentlich nur aufklären, Offenheit und Akzeptanz für Erziehungsfreiheit fördern. Vorurteile bekämpfen. Zeigen, dass es anders gehen kann -wenn wir dazu bereit sind. Aber diese Entscheidung trifft jeder am Ende für sich.
      Grüße, Fiona

      Gefällt mir

    2. Und was mir noch wichtig ist zu erwähnen: Ich kann natürlich immer nur einen Ausschnitt unserer Welt beschreiben. Meine Beispiele berufen sich auf ausgewählte eigene Erfahrungen. Die Welt ist nicht schwarz weiß, das weiß ich. Ein Beitrag gestaltet sich aber natürlich aussagekräftiger mit der Gegenüberstellung von eindeutigen Beispielen. Bedürfnisorientierte Erziehung changiert mMn zB in der Mitte. Darüber werde ich auch sicher beizeiten schreiben. Aber es geht nicht alles in einem Beitrag. Ich hoffe auf Verständnis ❤

      Gefällt mir

    3. Mal ganz dumm gefragt: bedürfnisorientierte Erziehung und unerzogen waren für mich bisher immer dasselbe. Ist es aber gar nicht, oder?

      Gefällt mir

    4. Nein ist es nicht. Bedürfnisorientierte Erziehung liegt dazwischen, ist eine Methode, die keinesfalls Erziehung an sich als Handhabung ablehnt. Die meisten finden über die Bedürfnisorientierte Erziehung zu Unerzogen, aber es steht keinesfalls in einem direkten Zusammenhang. Liebe Grüße 🙂

      Gefällt mir

    5. Hast du irgendwo Literatur darüber, was da die Unterschiede sind?
      Irgendwie erschließt sich mir das nicht. 😀

      Gefällt mir

    6. So auf sie schnelle nicht. Ich habe gerade mal schnell Google bemüht aber auf die schnelle keinen Blog gefunden, der darüber schon einschlägig geschrieben hat. Kommt auf jeden Fall auf meine Liste. In unerzogen Gruppierungen wird die Frage häufig diskutiert. Die Sache ist die, dass Bedürfnisorientierte Erziehung, Erziehung ja schon nicht ausschließt. Hier geht es darum auf die Bedürfnisse des Kindes zu schauen, Essen/Schlafen/Nähe/Bewegungsdrang etcpp, dennoch findet aber Erziehung statt – unerzogen geht praktisch einen Schritt weiter, macht sich von jeglicher Erziehung frei, auch über die reinen Bedürfnisse des Kindes hinaus, also auch davon ein Kind zum Bitte und Danke sagen anzuhalten zB. -vielleicht hilft dir diese Erklärung ein wenig weiter. Ich werde mich bemühen, bald mal einschlägiger dazu zu schreiben ❤

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s