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Nicht Erziehen Und Trotzdem ›Nein‹ Sagen. Geht Das?

Zwergnase möchte heute schon vor dem Frühstück auf den Balkon. Zielsicher zieht sie mich an der Hand mit sich und steuert den vordersten großen Blumentopf an, in dem neben drei Blumen auch ihr Windrad steht. Ich warte einen Augenblick und beobachte, was sie vor hat.

Mit einem kurzen Blick zu mir greift nach dem Kies, der auf der Blumenerde liegt. Sie zeigt mir die Steine und setzt an, damit zu werfen. ›Nein‹, sage ich, löse den Kies sanft aus ihren Fingern und gehe dabei neben ihr in die Hocke. ›Ich möchte das nicht.‹

Sie greift noch einmal zu und wirft den Kies nun direkt auf den Boden. Nochmal. Jetzt hat sie auch schon etwas Erde in der Hand. Beim vierten Mal lege ich meine Hand abschirmend über ihre, bevor sie zugreifen kann. ›Das ist Kies. Darunter ist Erde. Das fühlt sich bestimmt ganz toll zwischen den Fingern an, aber ich mag es nicht, wenn du damit spielst. Ich finde das gerade wirklich nicht schön.‹ Ich lege meinen Arm um sie und drehe sie in der Umarmung ein wenig zur Seite vom Blumentopf weg, was sie mit einem protestierenden Kreischen beantwortet. Sie beißt mich, was ich mit einem ›au‹ zur Kenntnis nehme, aber nicht weiter kommentiere. Es ist okay. Sie ist zu Recht wütend. 

Ich lenke ihre Aufmerksamkeit auf die gegenüberliegende Seite. Neben der Balkontür steht ein Blumenkasten mit Sand, den wir ihr als Alternative bereit gestellt haben. Darin befindet sich inzwischen auch der heißgeliebte Kies. ›Da‹, zeige ich. ›Damit können wir spielen.‹ Zwergnase überlegt, dann nimmt sie die Schaufel, reicht mir ein Förmchen und wir bauen eine kleine Sandburg.

Nicht immer funktioniert das so harmonisch. Manchmal wütet sie auch, dann begleite ich ihren Frust. Aber ich bleibe bei meinem ›Nein‹ und gebe die Blumentöpfe nicht zum bespielen frei. Das ist voll okay, obwohl ich nicht erziehe. Lass mich dir erklären warum.

Vorurteile Und Falsche Extreme

Immer wieder begegne ich einem hartnäckigen VORURTEIL in Elterngruppen: Der Verzicht auf Erziehung wird mit einer absoluten Regellosigkeit gleichgesetzt, und bringe nichts anderes hervor als kleine Egoisten, die ihren Eltern ›auf der Nase herum tanzen‹. Das ist so nicht richtig. Der Verzicht auf Erziehung bedeutet den Verzicht auf Machtmissbrauch, nicht den Verzicht auf Werte, oder auf sinnvolle (schützende) Einschränkungen, und  es bedeutet auch nicht das Zurückstellen von elterlichen Bedürfnissen.

Meine Bedürfnisse sind genauso wertvoll wie die meines Kindes.

Deinem Kind uneingeschränkt ALLES zu ermöglichen, entspricht genau so wenig der unerzogen Haltung, wie Erziehung bedeutet, deinem Kind ALLES zu verbieten. Du wägst ab. Jeden Tag. Jeden Moment. Du bist in lebhafter Beziehung mit deinem Kind, so wie mit jedem deiner Mitmenschen, und triffst (gemeinsam) Entscheidungen für euer Zusammenleben. Nur eben ohne dabei auf willkürliche, gewaltsame erzieherische Muster zurückzugreifen. Du bleibst bei Euch, bei Dir und deinem Kind und deinem Partner.

Natürlich gibt es immer Extreme. Eltern, die meinen, sie machen alles richtig und es doch völlig falsch machen. So wie es immer noch Eltern gibt, die ihre Kinder unter dem Deckmantel der Erziehung schlagen und richtig böse schikanieren, so gibt es auch Eltern, die den Verzicht auf Erziehung soweit ausdehnen, dass gleichermaßen auch ein Verzicht auf Verantwortung passiert. Eltern, die tatsächlich nichts dazu sagen, wenn ihr Kind, andere Kinder schubst. Eltern die kommentarlos hinnehmen, wenn ihr Kind die dritte Tafel Schokolade in Folge öffnet. Eltern, die ihr Kind das Gemüseregal im Supermarkt mit Schmutzfingern leerräumen lassen, ohne wenigstens dafür gerade zu stehen. Eltern, die nicht Hinsehen und nicht Begleiten.

Das sind aber k e i n e guten Beispiele für die Sache. Das ist nicht das, was ich in meiner Familie lebe.

Reflexion Statt Erziehung

Wenn ich auf Erziehung verzichte, dann lasse ich damit keine Lücke offen.

Statt ERziehung auszuüben, gehe ich in BEziehung: Ich begleite, kommuniziere und finde Lösungen für Konflikte. Ich lasse die Konflikte nicht ungelöst stehen. Ich bin nicht passiv und lasse mein Kind machen. Das wäre völlig verkehrt. Ich schaue hin und wäge ab. Immer vor dem Hintergrund meiner EIGENEN Bedürfnisse, Ängste, Wünsche und Werte (oder jene Dritter), anstelle der typenhaften erzieherischen Muster, die von Eltern erwartet werden.

Statt blind zu machen, was ich als Mutter irgendwie machen muss, nämlich Regeln aufstellen, ihr einhalten verlangen und zu bestrafen, frage und hinterfrage ich:

Ist es für MICH okay, wenn mein Kind beim Frühstück nicht am Tisch sitzt, sondern mit dem Brötchen in der Hand auf die Couch klettert? Und wenn es mich stört, dann frage ich weiter WARUM. Und dann suche ich nach Lösungen, um meine zugrundeliegenden Befürchtungen oder meine Werte und Wünsche mit dem Bedürfnis meines Kindes, gemütlich auf der Couch statt im Hochstuhl zu sitzen, zusammen zu bringen. – Übrigens: Nein, es stört MICH nicht. Wir essen regelmäßig auf der Couch oder dem Boden.

Der Verzicht auf Erziehung fängt für mich dort an, wo der unreflektiert abgespielte Machtmissbrauch aufhört und der Reflexion Platz macht.

Wenn ich nicht mehr erlaube, verbiete und bestrafe, so wie die Gesellschaft und das erzogene Kind in mir es vorgeben und erwarten, sondern bewusst hinterfrage, was ICH, was UNS in der KONKRETEN SITUATION gerade gut tut, dann stelle ich mich nicht mehr erzieherisch über mein Kind, sondern gehe in Beziehung. Dabei geht es nicht darum, es meinem Kind Recht zu machen. Es geht darum, hinzuschauen, was zum Konflikt führt und echte Lösungen zu finden.

Was sind gerade jetzt die Bedürfnisse meines Kindes, meines Mannes, der Großeltern? Welches sind meine eigenen Bedürfnisse? Wovor habe ich Angst, wenn ich ansetze meinem Kind etwas verbieten zu wollen? Ist diese Angst berechtigt? Können wir unsere Bedürfnisse zusammen bringen?

Kann ICH mich mit der Situation abfinden, OHNE dass ich mich damit schlecht fühle? Oder WILL ich gerade eingreifen, um MEINE Integrität zu wahren?

Gibt es einen Kompromiss, der meine Angst aushebelt und mein Kind trotzdem glücklich macht? Gibt es eine Alternative, eine Modifikation, eine coole Lösung anstelle eines Verbotes?

Ich finde es unsagbar wichtig, mich selber und meine Bedürfnisse im Umgang mit meiner Tochter nicht aus dem Auge zu verlieren.

Ich möchte sogar behaupten, dass der Verzicht auf Erziehung überhaupt nur dann funktionieren kann, wenn du lernst, nicht nur auf dein Kind, sondern auch auf dich selber zu schauen. Genauso, wie ich nämlich meinem Kind zugestehe Bitten abzulehnen, und regelmäßig die Kraft aufbringe Situationen anzunehmen, wenn ich mich von meinen anerzogenen Glaubenssätzen löse, kann ich aber auch die dringende Notwendigkeit sehen, ›Nein‹ zu sagen, um meine Bedürfnisse in einer bestimmten Situation zu erfüllen. Das ist okay. Das gehört dazu. Es geht nicht nur ums Kind.

Sonst nämlich leben wir gar nicht ohne Erziehung, sondern drehen bloß das Machtverhältnis um. Dann dominiere zwar nicht mehr ich Zwergnase, aber dafür Zwergnase auf subtile Art und Weise mich. Das ist genauso wenig sinnvoll, wie Erziehung. 

Wenn du unerzogen lebst mit dem bewussten Gedanken, ganz sicher ALLES erlauben zu wollen, was nicht  Leib und Leben gefährdet, dann schaust du wieder nicht richtig hin, sondern agierst wieder nach Mustern und Empfehlungen. Dann erziehst du doch, nur eben nicht mehr streng. Dann hast du ein Ziel und erziehst dein Kind zwar zu einem freien willensstarken Menschen, indem du alles ermöglichst, weil du glaubst, deinem Kind damit Gutes zu tun, aber du vergisst dich und deine Bedürfnisse.

Bedürfnisse Sehen Und Erfüllen

Kommen wir zurück zu den Blumentöpfen auf unserem Balkon.

Zwergnase möchte den Kies umgraben. Sie möchte den Kies in ihren Fingern fühlen, ihn werfen und untersuchen. Ich kann ihr das nicht Übel nehmen. Es ist sicher eine großartige Sache für sie. Es tut auch niemandem weh. Trotzdem: Ich mag das nicht.

Wir waren bereits an dem Punkt, an dem wir sie haben machen lassen, eben weil es nicht wirklich schlimm ist. Tagelang hat sie die Blumentöpfe intensiv bespielt. Und jeden Tag haben wir uns unwohler damit gefühlt und uns deswegen gezofft. Die Stimmung war ziemlich im Eimer.

Mein Mann und ich haben den Balkon seinerzeit hübsch gemacht, um uns eine kleine Oase an Schönwettertagen zu schaffen, um uns wohl zu fühlen. Neben dem finanziellen Aspekt steckt in den Blumentöpfen auch Leben. Wegtun, um die Kindersicherheit zu gewähren, war niemals eine Option. Das mag egoistisch klingen, ich streite gar nicht ab, dass es das ist. In der Wohnung haben wir eine Ja Umgebung geschaffen, Pflanzentöpfe höher gelagert, große Blumenpötte, die nicht zu sichern waren, entsorgt bzw. die Pflanzen umgetopft und anderweitig auf die Wohnzimmer Schränke verteilt. Der Balkon sollte bleiben, wie er war, mitsamt den großen Blumentöpfen auf Bodenhöhe. Mein Mann liebt Pflanzen besonders und konnte noch weniger als ich mitansehen, wie unsere Tochter die Erde regelmäßig zerpflückte. Auch wenn das Schlamassel am Abend mit dem Kehrblech schnell wieder beseitigt war, es tat uns (und vermutlich auch den Pflanzen) nicht gut.

Das begeisterte Spielen unserer Tochter mit der Blumenerde und dem Kies hätten wir also nur hinnehmen können, wenn wir unser Bedürfnis nach einer gepflegten Oase auf dem Balkon dafür übergingen. Das wäre sicherlich machbar, aber nicht zufriedenstellend gewesen und hätte über kurz oder lang zu neuen Konflikten geführt.

Also musste eine Lösung her. Die Frage war dabei aber nicht, ob Erlauben oder Verbieten, sondern wie wir es erreichen konnten, unsere Bedürfnisse zusammenzubringen. Uns wohl zu fühlen, an der frischen Luft die Seele baumeln zu lassen, aber unsere Tochter und ihre Vorstellungen von einem gelungenen frühen Morgen auf dem Balkon dabei nicht aus dem Blick zu verlieren.

Zwergnase konnte nichts für die Situation. Das galt es sich klar zu machen. Wo wir das Bedürfnis nach einem ruhigen, gepflegten Fleckchen Balkon hatten, da wollte sie spielen und erkunden.

Wir entschieden uns dazu, ihr eine Spielecke auf dem Balkon einzurichten, in der sie ihrem Bedürfnis uneingeschränkt nachgehen konnte.

Ein ausrangierter Blumenkasten dient nun als dauerhafter Sandkasten, in den sie gelegentlich auch eine Handvoll von dem begehrten Kies untermischt. Schaufel und Förmchen liegen bereit und auch ein cooler kleiner Wassertisch gehört ebenfalls zur Ausstattung dazu. Für ganz heiße Tage haben wir ein Planschbecken besorgt.

›Nein‹ Habe Ich Gesagt

Mit dem Sand kann sie jederzeit spielen.

Die Blumentöpfe schütze ich, lenke sie behutsam davon ab und verweise sie auf ihren Sandkasten. Manchmal lasse ich sie einen Moment am Blumentopf herumwuseln, und zeige ihr, dass sie eine Schaufel vom Kies ruhig in ihren Wassertisch kippen kann. Es geht nicht darum, ihre Neugier zu unterbinden. Wenn es mir aber zu viel wird, wenn ich oder mein Mann merken, dass wir uns unwohl fühlen, wenn sie die Blumentöpfe wieder ausgiebig erkundet, dann halten wir sie mit einem Klaren ›Nein‹ ab.

Das ist okay.

Wichtig ist, klar bei dir zu sein, wenn du ›Nein‹ sagst. Dein ›Nein‹ ist ein ganz anderes, wenn du es nicht herunterzitierst, ›weil Kinder das nicht dürfen und gehorsam sein müssen‹, sondern reflektiert und überzeugt (!) von dir, deinen Wünschen und deinen Bedürfnissen sprichst. ›Nein, ich möchte das nicht. Ich fühle mich nicht gut damit‹, klingt ganz anders, als ›Nein, das macht man nicht‹. Es kommt auch ganz anders bei deinem Kind an, weil es einfach die Wahrheit ist.

Die Verantwortung für deine Bedürfnisse liegt bei dir. Du kannst nicht erwarten, dass dein Kind deine Bedürfnisse erkennt und erfüllt. Das musst du selber tun. – Wenn du dich also unwohl fühlst, dann gehe der Sache auf den Grund, hinterfrag und finde eine Lösung.

Erwarte nicht, dass dein Kind das gut findet. Braucht es auch gar nicht. Wenn es frustriert von deiner Entscheidung ist, dann ist das völlig in Ordnung. Sei da, begleite seinen Frust oder seine Wut und erkläre ihm deine Gründe. Sei einfach ehrlich. Und wenn dich das Gefühl überkommt, dass das Bedürfnis deines Kindes vielleicht doch überwiegt, dann scheu dich nicht dein ›Nein‹ aufzuheben. Das ist genauso okay. Hauptsache, ihr fühlt euch wohl damit. Xx Fiona

13 Kommentare zu “Nicht Erziehen Und Trotzdem ›Nein‹ Sagen. Geht Das?

  1. Vielen Dank für diesen tollen Artikel. Ich habe mich darin voll und ganz wiedergefunden und trotzdem neue Erkenntnisse über mich selbst und mein Muttersein gewonnen. Von Herzen Danke!

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  2. Das ist wirklich der beste Text zu dem Thema, den ich je gelesen habe und ich Danke dir sehr. Mit dem Neid, das der nicht von mir ist, muss ich wohl alleine klar kommen 😂

    Nein ernsthaft: jedes Wort! Doppelt unterstrichen und mit Ausrufezeichen dahinter. So wahr, so wichtig.

    Ich danke dir sehr ❤️

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  3. Vielen Dank für den tollen Text. Hat mir ebenfalls nochmal mehr Klarheit verschafft.
    Unabhängig davon kannst du einige Fotos von deinem Balkon hochladen oder mir zusenden? Wir haben nämlich eine ähnliche Situation und ich überlege wie ich unseren Balkon bzw. die Kinderecke gestalten soll.
    Und hält euer Balkon ein gefülltes Planschbecken aus?
    Letztes welches Planschbecken hält einen harten Balkonboden aus?
    Entschuldige die vielen (Themen irrelevanten) Fragen.

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  4. Wirklich guter Text. Alles was ich bislang in Blogs über „unerzogen“ gelesen habe, wurde von mir als Schwachsinn abgetan. Daher finde ich „unverbogen“ deutlich passender. Dennoch bleibt die Frage wie reagierst du in gefährlichen Situationen z.B. Im Straßenverkehr? Da bleibt einem ja nichts außer dominant einzugreifen, oder? Wir haben unserer Tochter einmal die Regeln erklärt und daher darf Sie sich freier Bewegen?

    Anderes Thema: Ich verfalle in manchmal auch in die alten Verhaltensmuster meiner Eltern zurück was eigentlich komisch ist, weil ich sie als Kind dafür „gehasst“ habe. Dennoch ist aus mir ein ordentliches Mitglied der Gesellschaft geworden. Ich denke dass dieser Prozess also unterbewusst passiert ist, dennoch würde mich deine Meinung interessieren.

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    • Hallo Bob, zunächst einmal Schön, dass du dich hierher verirrt hast 🙂
      zu1) Wo es um Gefährdung von leib und Leben geht, greife ich natürlich ein. Das fällt vollkommen in den Bereich meiner Verantwortung als Mutter. Ich würde also meine Tochter, wenn sie losrennt, auch ‚packen‘. Mich dafür entschuldigen und es ihr erklären. Immer wieder. Wir haben hier zum Glück viele ruhige 30er Zonen, da lässt es sich gut üben. Wir handhaben es so, dass Zwergnase, wenn sie nicht an die Hand mag, an Straßen auf der Hauswandseite laufen muss. An stark befahrenen Straßen Hand/auf den Arm/in den Buggy. Sicherheit geht immer vor.
      zu2) Ich sehe es so: Jeder von uns hat im Unbewussten sein inneres, erzogenes Kind. Wir vergessen viele der Negativen Dinge, wenn wir älter werden und sind idR in der Lage uns die positiven Erlebnisse herauszufiltern und gute Erfahrungen in unsere Persönlichkeit einfließen zu lassen. (Überwiegen negative Erlebnisse kann es zu Verhaltensauffälligkeiten kommen). Gerade in Konfrontation mit unseren eigenen Kindern ‚überschwemmen‘ uns die verdrängten Erfahrungen unseres inneren Kindes, und obwohl wir niemals genauso handeln wollten, tun wir es dennoch. Dagegen zu agieren braucht viel Reflexion und Durchhaltevermögen, und ist mMn der Anfangspunkt einer unerzogenen Lebensweise. Da aus den meisten von uns ‚etwas geworden ist‘, ist es nicht verwunderlich, dass wir Erziehung erstmal nicht als negativ empfinden. ‚Wir mussten da ja auch durch‘. ich persönlich möchte meinem Kind die negativen, erzieherischen Erlebnisse ersparen, denn ich bin davon überzeugt, dass es auch ohne geht ❤
      liebe Grüße und ein schönes Restwochenende, Fiona

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  5. Wow. Dieser Artikel hat mich sehr zum Nachdenken angeregt. Danke dafür schon mal!

    Ich habe dank meiner eigenen Biografie, meinen beruflichen und privaten Einflüssen und meinen persönlichen Erfahrungen sehr positive Besetzungen für die Begriffe Erziehung, Familienhierarchie, Autorität, elterliche Führung und dergleichen und konnte mich nie wirklich mit dem unerzogen-mindset identifizieren.
    Das allermeiste, was ich darüber gelesen habe, hat meinem Verständnis von kindlichen Bedürfnissen und kindlicher Entwicklung arg widersprochen und erschien mir nicht so richtig plausibel.
    Ich glaube, ich habe unerzogen bislang wirklich nicht richtig durchblickt. Oder wahrscheinlich lebt und versteht es auch jede_*r etwas anders…
    Jedenfalls deinem Beispiel zufolge mache ich doch sehr vieles so, wie es als unerzogen verstanden werden könnte.
    Dabei habe ich mich immer als pro erziehend gesehen (und tue es auch noch, jetzt vielleicht mit ein wenig mehr Identifikation mit dem unerzogen- Flügel), wenn auch nicht mit diesen ganzen negativen Aspekten des machtmißbräuchlichen Strafe -Belohnung -Konsequenzen -Formenkreises, sondern im Rahmen Bindungs – und Bedürfnisorientierter Elternschaft und Gleichwürdigkeit (allerdings nicht Gleichberechtigung). Gewaltfreie Kommunikation und Eigenverantwortung als Maßstab im Umgang mit meinem Kind sowie Wahrung der kindlichen Integrität bei gleichzeitig sehr stark haltgebender Erziehung (da in der Hierarchie der Bedürfnisse Sicherheit und Orientierung noch vor Liebe und Aufmerksamkeit kommen bzw. Letztere durch die Erfüllung der ersteren zum Großteil mit erfüllt werden können. )
    Ja, einiges zum reflektieren hier gefunden… Ich wünsche dir alles Gute und hoffe noch mehr spannendes hier zu lesen 🙂
    Jitka

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  6. Hallo,
    also erst mal finde ich deinen Umgang mit deiner Tochter sehr gut, soweit mir es zusteht, das zu beurteilen.
    Aber ich finde, dass du dein Kind trotzdem erziehst. Dein Erziehungsbegriff erscheint mir viel zu negativ. Du schreibst „Regeln aufstellen, ihr einhalten verlangen und zu bestrafen“ Das ist nur eine stenge Auslegung von Erziehung, aber nicht mit Erziehung im Allgemeinen gleichzusetzen. Der Begriff lässt sich ja eh nicht auf einen griffigen Satz runter brechen. Jede Disziplin sieht das auch jeweils ein wenig anders. Für mich hat Erziehung etwas damit zu tun, dass das Kind bestimmte Fähigkeiten und Umgangsformen entwickelt. Das machst du mit deinem Kind auf eine sehr einfühlsame Art und Weise. Du erziehst es, und das ist gar nix schlimmes 😊

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    • Hallo 🙂
      Der Erziehungsbegriff, gegen den ich mich wende, ist der im unerzogen Kontext gängige. Nachzulesen zB bei KRÄTZA. Alles weitere fällt unter Begleitung und ist eben genau nicht das, was unerzogen ablehnt. Genau das ist ja der Knackpunkt, der häufig zu Missverständnissen führt. -danke für deine Rückmeldung. Grüße, Fiona

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      • Hallo Fiona,

        ich weiß, dass ich dich nicht von deiner Überzeugung abbringen kann, und das will ich auch gar nicht, aber da fällt mir doch die Butter vom Brot bei diesem Erziehungsbegriff. Wir leben doch nicht mehr in den 50ern. Tut mir leid, das zu sagen, aber wer Erziehung als ein Machtspiel von Oben und Unten ansieht, hat sich nie mit Erziehung beschäftigt, bzw ist im (vor)letzten Jahrhundert stecken geblieben.

        Es ist schon komisch: Ich finde viele deiner konkreten Beispiele, wie du mit deinem Kind umgehst, super. Würde ich auch so machen, aber das ist eben auch schon Erziehung. Erziehung hat nichts mit Gewalt zu tun (ich möchte aber nicht bestreiten, dass das leider manche Eltern so auffassen).
        Und grundsätzlich finde ich es gefährlich, Erziehung, oder eben auch unerzogen unter eine Ideologie zu stellen. (Ja, unerzogen ist für mich eine Ideologie) Durch diese Ideologie und der Einhaltung gewisser Spielregeln, die ihr euch auferlegt habt, erzieht ihr die Kinder in diese Richtung, was ja nicht schlecht sein muss, aber es ist eine Erziehung.

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      • Es ist völlig in Ordnung, dass du dies so betrachtest und ich möchte dir überhaupt nicht widersprechen. Letztendlich ist die Unterscheidung von Erziehung, wie ich sie betrachte und ablehne – und wie du sie betrachtest und befürwortest – auch ein Begriffsspiel, eine Aufhängung an Worten. Aber irgendwo fangen wir an, und das sind eben meistens die Worte. Irgendwo setzen wir unsere Definition, die den Grundseite für unsere Haltung darstellt. Ich kann mir vorstellen, dass wir uns in manchen Dingen ähnlich sind, aber die Dinge unterschiedlich definieren. Mit meiner Entscheidung über unseren unerzogenen Lebensstil zu bloggen, musste ich mich für eine Definition entscheiden, für jene die meine Haltung plausibilsiert. Wenn du dich für die unerzogen Haltung interessierst, lege ich dir meinen Beitrag dazu ans Herz ‚wie wir ohne Erziehung leben und glücklich damit sind‘. Darin wird neben der Erziehungsdefinition nochmals offensichtlich, dass zum unerzogenen eben noch einiges mehr gehört, als das in diesem Beitrag beschriebene. Grüße, Fiona

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