Die Angst Vor Digitalen Medien: Warum Mein Kind Selbstbestimmt Fernsieht

Mit ihren anderthalb Jahren und knapp 90Zentimetern traue ich meiner Tochter zu, selbstbestimmt fernzusehen und auch mit anderen digitalen Medien im Rahmen ihrer Möglichkeiten umzugehen. Mein Handy liegt mittlerweile nicht mehr oben auf dem Schrank, sondern wie früher auf dem Tisch -und sie geht nicht daran. Nur zum Wickeln und Anziehen mag sie manchmal ein Puzzle darauf spielen, zum Zähne Putzen ein Video schauen. Ein eigenes Mobiltelefon bekommt Zwergnase zwar erst, wenn telefonieren für sie relevant wird, aber ein Smartphone liegt nicht völlig außerhalb ihres Verständnisbereiches. Wenn Zwergnase statt dem geliebten Puzzle plötzlich eine andere App aufspringt, dann ruft sie mich, anstatt wie wild darauf zu tippen. Genauso weiß meine Tochter mittlerweile auch, dass jederzeit in der Flimmerkiste ihre Lieblingsserien abgespielt werden können; Streamingdienste machen es möglich. Wenn mein Kind mir also mitteilt, dass sie jetzt gerne Fernsehen möchte, dann schalte ich ihr den Tv (meistens) auch ein. Genauso würde ich ihr schließlich auch ein Buch vorlesen oder ihr helfen, die Bauklotzkiste ins Wohnzimmer zu tragen, wenn sie mich darum bittet.

Klingt verrückt, ich weiß, und trifft bei der Mehrheit auf Unverständnis und Kopfschütteln, statt auf glückseligen Applaus. Das ist okay. Damit kann ich umgehen.

Ich möchte niemanden überzeugen, denselben Weg einzuschlagen, der diese Möglichkeit nicht von sich aus bereits in Betracht zieht. Ein Kind kein Tv schauen zu lassen ist innerhalb eines altersgerechten Rahmens auf keinen Fall verkehrt. Es ist ein anderer Weg als unserer, aber deswegen keinesfalls ein verwerflicher, den ich in irgendeiner Form anprangern möchte. Ich möchte dir hier lediglich meine Sichtweise schildern und dir erklären, warum selbstbestimmt Fernsehen keinesfalls bedeutet, dass ich mein Kind achtlos abstelle. Weiterlesen

Geht Es Überhaupt Ohne? Gedanken Zum Ausstieg Aus Der Erziehung

Attachment Parenting, Beziehungsorientierung, Selbstbestimmung und Unerzogenheit – Im Netz polarisieren diese Begriffe durcheinander und geben Stoff für eifrige Diskussionen in Elternforen. Wer nicht danach lebt, reagiert skeptisch, häufig ablehnend, aber hat zumindest schon einmal davon gehört und redet mit. Da werden Stimmen laut, die einen Mainstream postulieren. Andere schimpfen Erziehungslosigkeit als eine Ideologie. Ist es wohl. Ist Erziehung ja aber auch.

Wenn sich die Diskussionen nach den ersten drölfzig Kommentaren nicht in Vorurteilen, Anfeindungen und Nasentänzer Prophezeiungen verlaufen, kommen irgendwann die wirklich spannenden Fragen auf: Geht es überhaupt ganz ohne Erziehung? Was soll denn so schlimm an ›liebevoller‹ Erziehung sein? Und ist Unerzogen am Ende nicht auch bloß eine Erziehungsmethode? Weiterlesen

›Kinder Brauchen Grenzen‹ – Fünf Parolen Gegen Beziehungsorientierte Elternschaft Und Warum Sie Unsinn Sind

Wenn du dich entscheidest, dein Kind ohne Erziehung Aufwachsen zu lassen, dann wirst du selten mit Beifall und Jubelschreien aus deinem Umfeld rechnen können. Zumindest nicht von Seiten Erziehender. So jedenfalls ist meine Erfahrung, und nicht zuletzt auch die Erfahrung zahlreicher Gleichgesinnter, mit denen ich mich im Netz austausche. Unerzogenheit ist (noch) nicht so richtig akzeptiert. Es kommt mir manchmal vor, wie ein Leben am Seitenrand; ein erfahrungsgeballtes, sich stetig entfaltendes und spannendes Leben, aber eben keines, dass viele andere Eltern teilen mögen. Das ist eigentlich ziemlich schade, denn deswegen rede ich ungern darüber. Ich erwähne unsere Lebensart meistens überhaupt nicht, sondern lasse Situationen auf mich zukommen, ohne auf erzieherische Bemerkungen einzugehen. Früher oder später kommt es aber immer zu der einen Konfrontation, in welcher der Konsens der Erziehenden deutlich anders reagieren würde -und die ersten fragenden Blicke, skeptischen Stirnrunzler oder erzieherischen Ratschläge, lassen meist nicht lange auf sich warten. Irgendwo sitzt immer jemand, der den Kopf entrüstet schüttelt oder sich besser noch gleich lauthals in unsere Problemlösung einmischt. Manchmal fühlt es sich an wie ein Kampf gegen Windmühlen. Ja liebe Erziehende, es ist ermüdend, ein ums andere Mal dieselben Parolen beantworten zu müssen. Mit fünf davon möchte ich an dieser Stelle aufräumen.

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Mit Kindern Kommunizieren

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Ich kann nicht oft genug betonen, wie wichtig mir Kommunikation im Umgang mit meinem Kind ist. Nicht nur für den Spracherwerb, ganz besonders für das Verstehen der Welt und das Begreifen des Ich sind Worte unverzichtbar.

Der Mensch hat ein alphabetisiertes Wesen. Unser Denken funktioniert überwiegend mit Hilfe von Wörtern. Sehen wir Buchstaben, kommen wir nicht umhin sie zu lesen, denn unser Gehirn reagiert auf sprachliche Impulse stärker, als auf sonstige visuelle Reize. Sprache ist nicht nur zur Verständigung unerlässlich, sie ist auch der Schlüssel zum Begreifen und Verstehen. Beim Entschlüsseln ihrer Welt helfen wir unseren Kindern also am meisten, wenn wir ihnen Zugang zur Sprache verschaffen und mit ihnen angemessen kommunizieren. Weiterlesen

Selbstbestimmt Schlafen: Warum Das Sandmännchen Sich Bei Uns Nicht An Feste Zeiten Hält

DSC01667_bearbeitet-4Meine Tochter schläft von Geburt an selbstbestimmt. Das heißt, sie hat keine f e s t e n Schlafenszeiten.

Ebenso, wie mein Mann und Ich ins Bett gehen, wenn wir müde (genug) sind, schläft auch Zwergnase dann, wenn sie möchte. Statt einen fremdgesteuerten Zeitpunkt zu setzen, gebe ich meiner Tochter damit die Möglichkeit, ihren eigenen Rhythmus zu finden und ein Gefühl für ihre Körper und ihr Schlafbedürfnis zu entwickeln.

Das macht unsere Abende abwechslungsreich, manchmal zugegeben ein wenig länger, manchmal überraschend kurz; aber vor allem wunderbar zwanglos. Für alle Beteiligten.

Ich fürchte mich nicht schon am Nachmittag vor einem leidig langwährenden Einschlafritual oder fiebere der letzten halben Stunde bis zum Feierabend entgegen. wir müssen nicht pünktlich um Sieben Uhr zuhause sein und kein Schläfchen nach Drei Uhr verhindern, damit die Abendroutine passt. Wir lassen jeden Abend erwartungslos auf uns zukommen. Für UNS funktioniert das. Ich will auf keinen Fall behaupten, dass es nicht an manchen Abenden anstrengend ist. Natürlich ist es das. Aber spätestens, wenn Zwergnase mich an die Hand nimmt, zum Bett geht und innerhalb von wenigen Minuten friedlich einschläft, fühle ich wieder, dass es sich lohnt. Weiterlesen

Nicht Erziehen Und Trotzdem ›Nein‹ Sagen. Geht Das?

Zwergnase möchte heute schon vor dem Frühstück auf den Balkon. Zielsicher zieht sie mich an der Hand mit sich und steuert den vordersten großen Blumentopf an, in dem neben drei Blumen auch ihr Windrad steht. Ich warte einen Augenblick und beobachte, was sie vor hat.

Mit einem kurzen Blick zu mir greift nach dem Kies, der auf der Blumenerde liegt. Sie zeigt mir die Steine und setzt an, damit zu werfen. ›Nein‹, sage ich, löse den Kies sanft aus ihren Fingern und gehe dabei neben ihr in die Hocke. ›Ich möchte das nicht.‹

Sie greift noch einmal zu und wirft den Kies nun direkt auf den Boden. Nochmal. Jetzt hat sie auch schon etwas Erde in der Hand. Beim vierten Mal lege ich meine Hand abschirmend über ihre, bevor sie zugreifen kann. ›Das ist Kies. Darunter ist Erde. Das fühlt sich bestimmt ganz toll zwischen den Fingern an, aber ich mag es nicht, wenn du damit spielst. Ich finde das gerade wirklich nicht schön.‹ Ich lege meinen Arm um sie und drehe sie in der Umarmung ein wenig zur Seite vom Blumentopf weg, was sie mit einem protestierenden Kreischen beantwortet. Sie beißt mich, was ich mit einem ›au‹ zur Kenntnis nehme, aber nicht weiter kommentiere. Es ist okay. Sie ist zu Recht wütend. 

Ich lenke ihre Aufmerksamkeit auf die gegenüberliegende Seite. Neben der Balkontür steht ein Blumenkasten mit Sand, den wir ihr als Alternative bereit gestellt haben. Darin befindet sich inzwischen auch der heißgeliebte Kies. ›Da‹, zeige ich. ›Damit können wir spielen.‹ Zwergnase überlegt, dann nimmt sie die Schaufel, reicht mir ein Förmchen und wir bauen eine kleine Sandburg.

Nicht immer funktioniert das so harmonisch. Manchmal wütet sie auch, dann begleite ich ihren Frust. Aber ich bleibe bei meinem ›Nein‹ und gebe die Blumentöpfe nicht zum bespielen frei. Das ist voll okay, obwohl ich nicht erziehe. Lass mich dir erklären warum. Weiterlesen

Kindliche Ängste Überwinden

Stell dir vor, um dich herum ist es dunkel und warm. Du hörst ein rhythmisches Pochen und Grummeln, dass dir ein Gefühl von Vertrautheit gibt. Alle anderen Geräusche sind dumpf. Du fühlst keinen Hunger, keinen Durst. Du empfindest keinen Schmerz. Du bist da. Schwerelos. Glücklich.

Plötzlich wird es ungemütlich. Etwas passiert. Du schnapst nach Luft. Es ist hell und laut. Dein Magen knurrt. Dein Körper fühlt sich schwer an. Etwas wird dir über den Kopf gezogen und zwickt auf deiner Haut, aber du weiß nicht, wofür das gut sein soll. Um dich herum Gesichter und Farben und Dinge. Stimmen, die du nicht verstehst. Beängstigend.

So ungefähr geht es wohl unseren Kindern, wenn sie geboren werden.

Auf einmal verändert sich ALLES. Und die Welt, in der dein Kind sich von nun an wiederfindet, wird von Tag zu Tag größer und komplizierter. Immer neue Orte kommen hinzu. Neue Gesichter. Neue Dinge passieren, andere Dinge verschwinden wieder. Und dann sind da auch noch die vielen lauten Geräusche, die sich dauernd verändern und aus tausenden Richtungen zu kommen scheinen. Neue Gerüche. Neue Geschmäcker. Du entdeckst gerade erst, dass diese lästigen Arme und Beine zu dir gehören.

Ein riesen Durcheinander.

Und während alle anderen um dich herum scheinbar ganz genau verstehen, was vor sich geht, bist du einfach nur verschüchtert, verängstigt und fühlst dich unheimlich klein. Weiterlesen